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  • Karin

#54 Angscht vor Veränderige - Oder Veränderige als Chance?


Du magst keine Veränderung? Veränderung macht dir Angst? Du möchtest am liebsten, dass alles bleibt wie es war?


Ich kann dich sehr gut verstehen.


Veränderung macht Angst. Veränderung nimmt uns den Boden unter den Füssen weg. Veränderung raubt uns Sicherheit. Veränderungen prägen unser Leben.


Der Erfolg von Veränderungen im persönlichen Leben hängt meiner Meinung nach massgeblich davon ab, wie schnell du adaptieren und akzeptieren kannst. Darauf werden wir später verstärkt eingehen, damit du weisst, wie dir das gut gelingt, auch wenn du Veränderungen nicht magst.


Veränderung bei mir

Früher mochte ich keine Veränderung. Immer wenn etwas anders kam, als ich es erwartet und geplant habe, schien eine Welt zusammen zu fallen. Ich habe es gehasst. Ich wusste nicht wie ich damit umgehen soll. Die Enttäuschung war dann jeweils so gross, dass ich kaum klar denken konnte, geschweige denn, adaptieren konnte. Der Rest des Tages oder Abends war für mich gelaufen. Ihr könnt euch vorstellen, dass das für mein Umfeld nicht so blumig war, mich dann um sich herum zu haben. Ich fühlte mich schlecht, so als hätte ich versagt, als hätte meine Planung nicht funktioniert, als hätte ich etwas falsch gemacht. Und darauf folgte die Angst, dass der Anlass nicht gut werden könnte. Also wenn ich etwas geplant hatte, was aus irgend einem Grund in die Hose ging ,also so nicht stattfinden konnte, hatte ich kaum Vertrauen in den spontan entstehenden Plan. Denn dieser konnte ja gar nicht annähernd so gut sein, wie das, was ich geplant hatte. Jedenfalls in meiner Vorstellung. Es war, als müsste ich eingestehen, dass dieser Abend nun also dahin war. Der neue Alternativplan hatte nicht einmal die Chance sich zu beweisen. Ojee. Ich glaube besonders anstrengend war das jeweils für mein Umfeld, respektive meinen Mann Daniel. Denn er war unglaublich schnell im adaptieren, er hielt nicht fest an einem Plan, sondern wollte einfach direkt, wenn etwas schief geht, eine andere Lösung suchen. Seiner Meinung nach, war der Abend natürlich nicht verloren. Im Gegenteil.


Change Management

Was genau ist da passiert? Im Change Management haben wir gelernt, dass wir bei Veränderung fast immer denselben Prozess durchmachen. Es ist egal, ob wir einen Job verlieren, ob wir eine Beziehung beenden, ob ein geplanter Event abgesagt wird oder sogar ob Jemand stirbt. Die allermeisten von uns, machen genau diesen Prozess durch. Und wenn wir wissen, was da an möglichen Phasen auf uns zukommt, dann können wir auch viel besser adaptieren. Mir hätte das auf jeden Fall geholfen, wenn ich damals gewusst hätte, wie ein Veränderungsprozess im Hirn abläuft. Deshalb let’s dig in.


Die Trauerkurve

Die Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross hat vor rund 60 Jahren über 200 unheilbar kranke Menschen interviewt. In den Gesprächen ist heraus gekommen, dass Menschen, die dem baldigen Tod in die Augen schauen, alle dieselben Phasen durchlaufen. Sie nannte das Modell die Trauerkurve. Sie schrieb ein Buch darüber «On Death and Dying» oder «Interviews mit Sterbenden» auf Deutsch, und hat 5 Sterbephasen beschrieben:


1. Hoffnung auf Irrtum

2. Frage nach dem Warum

3. Wunsch nach Aufschub

4. Trauer um vergebene Chancen

5. Abkopplung von der Umwelt


Dieses Modell wurde im Change Management aufgegriffen, etwas angepasst und neu integriert. Jeder von uns durchläuft die Phasen unterschiedlich schnell, und es sind Wiederholungen möglich, sprich dass wir immer wieder von vorne beginnen.

Wenn wir also von der Veränderung die ansteht hören, lesen, oder wir die Veränderung direkt erfahren, dann läuft das Konzept immer gleich ab.

Und wie gesagt, auch wenn du die Beziehung beendet oder den Job gekündet hast, also unabhängig davon, ob du die Entscheidung selber getroffen hast, oder die Entscheidung Jemand für dich getroffen hat, die Phasen bleiben bestehen. Allerdings durchläufst du sie vielleicht in einem anderen Tempo.


Nehmen wir also als ein paar Beispiele mit auf den Weg.

1) Erstes Beispiel: Ich künde meinen Job.

Der ausgesprochenen Kündigung geht ja so ziemlich immer die innere Kündigung voran. Die Idee der Kündigung ist schon in unserem Kopf entworfen bevor wir die Kündigung effektiv aussprechen. Die innere Kündigung bezeichnet also den Zustand, dass du in Gedanken dich bereits getrennt hast von deinem Arbeitgeber. Das zeigt sich vielleicht darin, dass du öfter fehlst als sonst, du machst nur noch das was du wirklich musst, also Dienst nach Vorschrift, du zeigst keine Eigeninitiative mehr und deine Produktivität lässt nach. Einige von uns lassen es dann darauf ankommen, dass man gekündigt wird. Andere ergreifen dann irgendwann die Verantwortung und künden selber.


2) Zweites Beispiel: Meine Freundin sagt mir ab für die Party heute Abend.

Es ist also Tag xy, und ich kündige meinen Job, oder ich kriege ein Telefon und meine Freundin sagt mir ab.


Die Veränderungskurve

Darauf folgt die erste Phase der Veränderungskurve:

1) Der Schock

Unabhängig davon, ob ich die Entscheidung zur Veränderung selber getroffen habe oder Jemand anders für mich entscheidet, es gibt einen Moment, bei jedem länger oder kürzer, in dem Gedanken kommen wie «Oh mein Gott, was habe ich getan?» oder «Was zur Hölle ist passiert?» Ein Moment, in dem ich realisiere, was diese Veränderung mich bedeutet. Wir alle kennen das, egal worum es geht. Der Moment, wenn wir realisieren, was jetzt gerade passiert ist.

Die Kündigung die ich erst gerade ausgesprochen habe, sinkt langsam ein und ich bin schockiert darüber, was ich gerade getan habe. Die Absage der Freundin, die bewirkt, dass die Vorfreude auf die Party gerade zusammenbricht. Die unerwartete Absage, die ich absolut nicht nachvollziehen kann.


2) Ablehnung

Die zweite Phase ist die Ablehnung, die Verdrängung, die Verneinung, der Widerstand. Wir wollen es nicht wahrhaben, dass das jetzt wirklich passiert ist. Wir reden uns ein, dass alles so bleibt wie es ist oder die Veränderung nur ganz klein sein wird. Unsere Werte und Einstellungen schlagen Alarm, wir versuchen einzuordnen wie die Dinge jetzt wirklich sein sollten. Wir fühlen vielleicht sogar eine Blockade, weil wir die Notwendigkeit und Grösse der anstehenden Veränderung nicht wahrhaben wollen. Sätze wie «Das kann doch nicht sein» oder «Das ist doch gar nicht möglich» geistern in unserem Kopf herum. Wir fühlen pure Ablehnung.

Bei der Kündigung denken wir vielleicht sogar, dass wir es rückgängig machen könnten. Die Freundin die uns absagt verfluchen wir in unseren Gedanken, versuchen sie vielleicht sogar umzustimmen.


3) Rationale Einsicht

Auf die Verneinung folgt irgendwann die Ja-Aber Phase. Wir beginnen zu verstehen, dass es wohl irgendwie doch wahr sein könnte, was da gerade passiert ist. Wir fühlen zwar noch immer einen starken emotionalen Widerstand, dennoch kommt im Verstand eine erste Einsicht der Veränderung. Begleitet wird dieser Widerstand natürlich von Wut, Ärger, Verzweiflung und Frust.

Es dämmert mir also langsam, dass die Kündigung wahr ist und so bleibt. Vielleicht bin ich wütend auf mich selber, weil ich gekündet habe oder ich bin verzweifelt weil ich noch keinen Plan B habe. Ich verstehe auch langsam, dass meine Freundin nicht umzustimmen ist, der Abend so nicht stattfinden wird. Ich werde wütend auf sie, warum sie mir das antut.


4) Emotionale Akzeptanz

Diese Phase nennen wir auch das Tal der Tränen. Wir beginnen loszulassen und das tut weh. Es ist der Wendepunkt im Veränderungsprozess, der die Emotionen zulässt. Es ist wichtig, dass wir diese nun nicht verdrängen, sondern ihnen den Platz geben, den sie brauchen. Wir beginnen uns von der Vergangenheit zu verabschieden und auf das neue einzustellen.

Wir lassen also zu, dass wir um den gekündeten Job, die verpasste Party trauern dürfen.

Übrigens ist es sehr gut möglich, das wir hier in die Verneinungsschleife eintauchen. Wir pendeln hin und her zwischen den Phasen 2 bis 4 und kommen nicht weiter. Vielleicht hast du davon schon einmal gehört, besonders bei Verlusten von Menschen, die uns sehr nahe stehen, kann dies passieren. Wenn wir einfach nicht wahrhaben können und wollen, dass dieser Mensch gegangen ist.


5) Ausprobieren

Haben wir die Emotionen überwunden und vor allem auch akzeptiert, beginnen wir uns ganz langsam für Neues zu öffnen. Wir probieren aus und tasten uns vorsichtig an etwas Neues heran. Dass es hier auch Rückschläge geben kann, ist völlig normal.

Das wäre also vielleicht die Phase, in der wir uns nach neuen Jobs umsehen, so à la «ich kann mich ja mal erkunden, was es denn so gäbe». Oder ich melde mich bei einer anderen Kollegin und frage nach, ob sie nicht vielleicht Lust hätte, mit mir an die Party zu gehen.


6) Erkenntnis

In dieser Phase beginnen wir zu verstehen, dass das Neue, die ausprobierten Veränderungen eigentlich noch ganz ok sind. Wir verstehen vielleicht, dass sich auch Chancen hinter den Veränderungen bergen. Dass zum Beispiel mein neuer Job ganz viel Cooles enthalten kann, mir die Chance gibt neues zu lernen oder ich einen viel besseren Arbeitgeber finden könnte. Vielleicht erkenne ich hier, dass die zweite Kollegin zwar nicht mitkommen kann auf meine Party, sie mich dafür aber mitnimmt an ihr Grillfest auf dem Boot. Ich erkenne also das Potenzial der neuen Veränderung.


7) Integration

Wir verstehen, dass die Erfolge kommen und die neue Veränderung viel Positives beinhaltet. Wir integrieren also die Veränderung und adaptieren unser Leben entsprechend. Alle Widerstände sind weg und die Veränderung wird zu meiner neuen Normalität.


Ja ihr Lieben, das sind die 7 Schritte der Veränderungskurve. Super spannend oder? Seit ich weiss, wie Veränderungen bei mir ablaufen, kann ich viel schneller adaptieren. Ich merke jeweils, in welcher Phase ich gerade feststecke und kann mich dann ganz einfach fragen, was ich brauche um weiter zu kommen. Oftmals ist es nämlich einfach ein offenes Ohr, oder mit Jemandem zu reden, oder Liebe von sich selber zu bekommen. Seither bin ich nämlich auch für Daniel viel umgänglicher als früher und bin viel bewusster unterwegs.


Geschichten aus meinem Leben

Wir haben eine gemeinsame Freundin aus Frankreich, mit der wir jährlich einmal in die Ferien fahren. Für sie sind Veränderungen eine absolute Dramatik, genau so wie bei mir früher. Funktioniert etwas nicht so, wie sie es sich in den Kopf gesetzt hatte, dann fiel eine Welt zusammen. Da verstand ich, oder erlebte ich, wie mühsam das für die Begleitpersonen sein kann, wenn jemand so fixiert ist auf den gemachten Plan. Sie war Meister darin, eine Bucket List für unsere gemeinsamen Ferien zu schreiben, und wollte diese Punkte natürlich alle abhaken können. Das Problem ist, vielleicht ahnst du es schon, es ist eben nicht alles planbar. Gewisse Dinge funktionieren dann einfach nicht so wie sie es sich vorgestellt hatte. Zum Beispiel weil es regnet, oder weil wir nicht an diesem Ort ankommen, oder weil das Auto eine Panne hat, oder weil wir zur falschen Zeit am falschen Ort sind oder was auch immer. Da wir zum Glück wussten, wie diese Phasen ablaufen, konnten wir sie auch jeweils gut auffangen und mit ihr darüber sprechen. Je länger wir zusammen waren, desto schneller ging das Adaptieren für sie.


Fazit

Denn ich glaube es ist ein Prozess, den wir lernen können. Wir können lernen, wie wir mit Veränderungen umgehen könnten. Wir können lernen, wie wir überhaupt reagieren und warum. Denn ich glaube es ist sehr wichtig, dass wir aufmerksam durch unser Leben gehen, uns selber zuhören, und liebevoll sind mit uns. Denn uns selber zu verdammen und wütend zu sein, bringt ja auch nichts. Wer weiss, vielleicht hast du den Mut das selber auszuprobieren?

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