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  • Karin

#48 Wie chan ich mir s'Läbe eifacher mache?

Aktualisiert: 10. Apr.



Ja, ich habe mir viele, viele Jahre das Leben selber schwer gemacht. Ich würde sogar sagen, ich bin ein Held darin, mir selber das Leben schwer zu machen. Denn mir das Leben so einfach wie möglich zu machen, stand bis vor rund 2 Jahren nicht auf meiner Liste. Schon alleine diesen Satz auszusprechen fiel mir damals schwer.


Aber beginnen wir von vorne.


Seit ich im Dienstleistungssektor arbeite, ist bei mir abgespeichert, dass ich dem Kunden, Gast oder Klienten das Erlebnis so hochwertig wie möglich gestalte. So ging es mir schon in meiner Kaufmännischen Lehre, als ich in der Spedition arbeitete oder vor allem danach in der Gastronomie. Der Kunde kam zuerst. Immer. Das führte dazu, dass ich meine eigenen Bedürfnisse weit in den Hintergrund stelle. Bis heute finde ich es eine schöne Eigenschaft von mir, dass die Bedürfnisse der Kunden während der Arbeit am wichtigsten sind. Soweit so gut.


Selbst-Ständig

Bis ich selbständig wurde. Ein Cateringbetrieb, den wir zu viert besitzen und mein Mann Daniel und ich operativ führten. Da ich und Dani selber Chef waren, konnten wir, respektive ich als administrative Führung auch entscheiden, wie viele Aufträge wir annehmen. Ich war da stark getrieben von meinen eigenen Überzeugungen und Glaubenssätzen. Ich dachte nämlich, „nur wenn ich hart arbeite werde ich geliebt“, oder auch „nur physische Arbeit ist echte Arbeit“, und auch „für Geld muss man hart arbeiten“. Diese Werte, die ich aus der Kindheit mitgebracht habe, haben also meinen Alltag und somit meine Entscheidungen gesteuert. Ich hatte einen inneren Antreiber, der ständig mehr forderte. Schneller, härter, mehr. Und ich habe es nicht einmal gemerkt. Zusammen mit meinem Mann Daniel habe ich das Catering geführt und wir haben geschuftet wie verrückt. Es war anstrengend, hart, und manchmal sogar echt grenzwertig. Natürlich habe ich gemerkt, dass wir müde und erschöpft sind, und dennoch immer weiter gemacht. Und doch, muss es damals irgendwie auch stimmig gewesen sein, sonst hätte ich doch gekündigt. Ich hätte es ja selber in der Hand gehabt, weniger Aufträge anzunehmen, aber auf die Idee kam ich irgendwie gar nicht. Denn ich war Meister darin, mir selber das Leben schwer zu machen. Oder vielleicht kann ich es so ausdrücken, ich kam gar nicht auf die Idee, mir das Leben einfacher zu machen. Denn ich dachte, wenn ich mir das Leben einfacher mache, hat der Gast nicht mehr dasselbe qualitativ hochwertige Ergebnis. Was natürlich nicht stimmt.


Nie gut genug

Und ich glaube, was Daniel dann am meisten gestört hat, was er mir auch immer wieder sagte, ist, dass ich die Erfolge nicht feiern konnte. Ich habe immer etwas gefunden, womit ich nicht zufrieden war. Wir waren so erfolgreich, so richtig auf dem Höhenflug, wir hatten während der Hochsaison 4-6 Aufträge pro Woche und beste Rückmeldungen. Und doch, war mein innerer Antreiber nie zufrieden, es war nie genug. Wann immer wir Erfolge feiern wollten, gab es für mich einen sauren Beigeschmack, weil ich wusste, na das hättest du noch besser machen können oder dies war nicht so gut ausgeführt. Und so weiter. Kennst du das? Kennst du das, dass du nie damit zufrieden bist, was du gemacht und geleistet und erreicht hast? Das ist total anstrengend nicht wahr? Und da ich mit dem gemeinsamen Erfolg der Firma nicht zufrieden war, habe ich damit natürlich auch Daniel verletzt. Was auch total schwierig für mich war, waren Pausen zu machen oder freie Tage zu geniessen. Ich konnte nicht ruhig sitzen und wurde, wie immer, angetrieben von einer Stimme, die noch hundert Sachen fand, die noch zu tun wären. Das ist wirklich anstrengend. Natürlich habe ich bei Dani gesehen, dass es ihm sehr gut gelingt, dann einfach einen Tag auf dem Sofa auszuruhen, zu lesen und Musik zu hören. Noch so ein Trigger.


Trigger

Nun auf jeden Fall gab es ein Freund in meinem Umfeld, der diesbezüglich das komplette Gegenteil von mir ist. Mein Trigger Nummer eins. Denn er war und ist Meister darin, den Weg zu finden, der für sich am einfachsten ist und dennoch das maximale Erlebnis für den Gast ermöglicht. So habe ich mich wirklich gefragt, warum mir das nicht gelingt. Und was denn da bei mir eigentlich im Hintergrund für ein Muster abläuft. Ist das ein Charakterzug? Ist das etwas, was wir von zu Hause lernen? Ist es ein einfacher Glaubenssatz?


Dann haben wir einen neuen Mitarbeiter eingestellt, dem ich einen Teil meiner Aufgaben übertragen durfte. Beim Einarbeiten hatte er schon sehr schnell Ideen, wie wir die Abläufe einfacher gestalten könnten. Noch ein Trigger. Natürlich fühlte ich mich zuerst kritisiert um danach, mit etwas Distanz fest zu stellen, dass er natürlich komplett Recht hat. Unglaublich. So begann ich mich immer mehr zu fragen, warum ich denn nicht selber auf die Idee gekommen bin. So startete die Suche nach einem einfacheren Leben. Und die Frage, die mich am meisten beschäftigt ist tatsächlich, warum ich mir denn immer den strengeren Weg aussuche. Es scheint so, als würde ich eine Aufgabe übernehmen, mir einen Ablauf zurechtlegen, ohne dann weiter zu hinterfragen, was ich noch verbessern und verändern könnte, wenn der Ablauf routiniert ist. Ich kam erst gar nicht auf die Idee, die Abläufe zu vereinfachen.


Pragmatiker

Pragmatiker nennt man diese Menschen. Sie sind stark darin, sich darauf zu konzentrieren was jetzt gerade ansteht und entsprechend zu handeln. Sie sind keine Visionäre, sie sind unkompliziert und arbeiten strukturiert und effizient. Sie haben ein gesundes Selbstbewusstsein und betrachten alles aus einem wirtschaftlichen Blickwinkel. In der Regel bewerten Pragmatiker die Situation nach dem Nutzen und agieren dann ruhig und überlegt.

Doch bevor ich das Konzept des Pragmatismus lernen konnte, musste ich erst verstehen, warum ich immer wütend darüber wurde.


Es war also zum Beispiel so, dass wir als nachhaltiges Unternehmen die kleinen Caterings mit dem Velo lieferten. Manchmal war es so, dass das gesamte Material aber nicht im Velo Platz hatte, also fuhr ich zweimal hin und her bei der Lieferung und zweimal hin und her am Ende des Anlasses. Nicht nur, dass ich dann fix und fertig war, nein, es hat auch viel Zeit und Geld gekostet. Im Gespräch mit unserem Freund kam dann relativ schnell der Vorschlag, dass ich doch ein Auto mieten könnte. Baffffff. Da wurde ich innerlich erst einmal wütend. Kommt da Jemand und macht einfach einen Vorschlag, so simpel, da hätte ich selber drauf kommen müssen. Hm, nachdem ich mich beruhigt habe, war auch klares Denken wieder möglich. Du schlägst also vor, dass ich ein Auto miete, damit meine körperlichen Ressourcen spare, Zeit spare weil ich nur 1 Mal hin und 1 Mal zurück fahre und damit auch noch Geld spare? Ja, wenn ich das so anschaue, macht das tatsächlich Sinn. Also mietete ich ein Auto, konnte dieses sogar noch CO2 kompensieren und sparte mit dieser Entscheidung an allen Ecken, vor allem aber bei meinen körperlichen Ressourcen.


Das mag jetzt total dumm klingen, und für dich als Zuhörer vielleicht total logisch. Doch für mich, gefangen in meinem täglichen Strudel der vielen Arbeit, hatte mir die Zeit nicht genommen, mir zu überlegen, wie es denn einfacher gehen könnte. Kennst du das?

Nun vielleicht bist du Mama oder Papa oder bist Angestellt, bist Selbständig oder zu Hause, das spielt absolut keine Rolle, es gibt so viele Menschen unter uns, die sich genau damit identifizieren können. Leider haben nicht alle einen so schönen Trigger im Umfeld wie ich, deshalb teile ich diese Geschichten mit euch.


Was kann ich tun, damit mein Leben einfacher wird?

Irgendwann habe ich dann endlich erkannt, warum es mich immer so triggert, wenn mein Kollege etwas vorschlägt.

1) Ich fühle mich kritisiert, dass was ich gemacht habe, nicht gut genug war

2) Ich war wütend auf mich selbst

3) Ich war neidisch


Irgendwie verständlich oder? Ich hatte das Gefühl, zu hören, dass meine Arbeit nicht gut genug ist. Was natürlich Bullshit ist. Ich habe meinen Kollegen gefragt, ob das seine Absicht war, was er natürlich sofort verneinte. Es war auch klar, dass ich wütend auf mich selber werde, weil ich selber nicht darauf gekommen bin. Natürlich habe ich auch überlegt, ein Auto zu mieten, aber ich konnte das Grosse Ganze nicht sehen. Ich sah nur die hohe Automiete, aber verglich dies nicht, mit meinem Zeit- und damit Lohnaufwand der total 4 Velofahrten. Und auch die physische Erschöpfung, die ja kaum messbar ist, habe ich nicht miteinkalkuliert. Wenn ich fit bin, kann ich auch besser arbeiten. Eigentlich logisch. Dies gelang also meinem Kollegen sehr gut, immer das Grosse Ganze anzuschauen, während ich mich im Kleinen verhedderte. Natürlich war es für ihn auch einfacher, weil er von Aussen auf meine Probleme schaut, aber auch das kennen wir alle. Und ja genau, neidisch war ich auch. Darauf, dass es ihm so einfach fällt, sein Leben so einfach zu halten, und mir dies nicht gelingt.


Nach dieser Erkenntnis beschloss ich also, von meinem Kollegen zu lernen. Ich will das auch können. Ich will mir auch das leben so einfach wie möglich machen. Ich schaute also, dass ich meine Glaubenssätze „nur wenn ich hart arbeite werde ich geliebt“, oder auch „nur physische Arbeit ist echte Arbeit“ ändern konnte in „ich werde geliebt, unabhängig davon was ich mache“ und „jede Art von Arbeit ist wertvoll“. Damit war ich nämlich wieder viel freier in meinem Denken und ERLAUBTE es mir eben auch, Pausen zu machen, freie Tage zu nehmen und weniger hart zu arbeiten.

Und heute, Jahre später, kann ich schon gar nicht mehr wirklich nachvollziehen, warum ich so gelebt habe. Bietet doch das Leben so viele schöne Seiten, die damals gar keinen Platz hatten. Heute kann ich freie Tage wunderbar genießen, kann auch einmal nichts tun und mir

etwas gönnen.


Was hat es also gebraucht?

  • Zuerst einmal das Anerkennen der Ist-Situation, "ja ich mache mir das Leben schwer, und das ist ok so"

  • Dann eine Entscheidung treffen: "Ich will das ändern, mein Leben soll leicht sein"

  • Um dann herauszufinden woran das liegen könnte, gibt es da Glaubenssätze oder Muster die ich von früher kenne? Etwas, was meine Eltern oder Grosseltern immer gesagt haben?

  • Und dann liebevoll sein mit sich selber und anerkennen, dass ich es nicht besser gewusst habe, dass ich mit diesen Überzeugungen ja gar nicht anders konnte, als so zu handeln

  • Um mich dann zu fragen, wie hätte ich es denn gerne stattdessen?

  • Um dann Tag für Tag zu versuchen, diesen Satz in mein Leben zu implementieren: "Wie kann ich mir das Leben einfacher machen"? Und glaub mir, das darf am Anfang im Kleinen anfangen, bis Du Dich dann irgendwann an die grossen Themen heranwagen kannst.

Wenn du dabei Unterstützung brauchst, melde dich gerne für ein Coaching. Ich freu mich auf dich.



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