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  • Karin

#45 Q&A mit Karin



Als Special in diesem Monat November habe ich mir überlegt, dass ich all eure Fragen, die mich während den vergangenen 11 Monaten erreicht haben, in einem Podcast – Q&A beantworte. Denn ich glaube, dass so viele eurer Fragen so wichtig sind und vielleicht auch anderen helfen können. Wir alle kennen das Prinzip in der eigenen Schulklasse, dass wir total froh waren, wenn jemand diese Frage gestellt hat, einfach weil ich den Mut nicht hatte.


Also, los geht’s.


Maja hat mir erzählt, dass sie verschiedene Podcasts hört und immer wieder von diesen Trigger gesprochen wird. Sie hat mich gefragt, was denn genau ein Trigger ist und was sie uns sagen wollen.


Nun, Trigger übersetzt heisst ja Auslöser. Ganz simpel übersetzt könnte man auch meinen «wenn mich etwas triggert», dass «mich etwas stark aufregt». Es gibt also Situationen in unserem Leben, in denen etwas passiert, zum Beispiel sagt Jemand etwas zu dir, oder macht eine bestimmte Handlung oder verhält sich auf eine Art und Weise, die etwas in dir auslöst. Und mit auslösen meine ich, die bestimmte Gefühle in dir hoch holen. Diese Gefühle kann man vielleicht beschreiben wie einen Ausbruch. Sie sind sehr stark, und kommen meist sehr schnell und bauen sich auf. Diese Gefühle, die da in dir hochsteigen, die bewegen dich zu einer bestimmten Handlung. Vielleicht sagst du etwas, oder du flippst aus, oder schlägst um dich oder was auch immer.

Im Nachhinein kann man vielleicht sagen, dass deine Reaktion übertrieben war. Dass du über die Masse reagiert hast, auf ein eigentlich nicht so schlimme Situation. Diese Trigger, also zusammengefasst, deine Reaktion oder Handlung auf deine Gefühle die durch die Worte oder die Handlung deines Gegenübers ausgelöst wurden, sind dazu da, damit wir erkennen, woran wir noch arbeiten dürfen. Sie sind also Hinweise darauf, was wir in unserer Kindheit für Erlebnisse hatten, die einen Eindruck hinterlassen haben, ein Mini-Trauma kann man vielleicht sogar sagen.

Oftmals sind das also Situationen die wir aus der Kindheit kennen, an die wir uns mit dem bewussten Verstand aber gar nicht mehr erinnern. Wie du bestimmt weisst, ist die bewusste Ebene, also was wir wirklich bewusst wahrnehmen nur 5% unserer Wahrnehmung, und die restlichen 95% sind unser Unterbewusstsein. Diese Erinnerung aus der Kindheit hat also unser Unterbewusstsein gespeichert. Und auch wenn wir uns bewusst nicht mehr daran erinnern, kann das Gegenüber diese Situation eben triggern. Das heisst, wir bekommen auf dem Silbertablett serviert, was oder wo wir noch Heilung brauchen.

Wie du damit umgehst, nach dem Abschluss der Situation ist natürlich dir überlassen. Du kannst es einfach ignorieren. Oder aber du reflektierst, was denn jetzt genau passiert ist. Warum du so reagiert hast und warum es dich derart aufgeregt hat.


Ich kann dir gerne ein Beispiel aus meinem Leben geben. Einer meiner Themen, die ich aufarbeiten durfte, ist die Dummheit. Ich habe irgendwann begonnen zu glauben, dass ich dumm bin. Als ich dann eines schönen Tages an einer Theke in der Hotelfachschule sass und das Kreuzworträtsel löste, kam eine Kollegin zu mir, schaute mir über die Schulter und meinte nur «aber Karin, schau doch mal hier, also das weisst du doch». Sofort, wie auf Knopfdruck, begann ich innerlich zu kochen. Ich hab dann total überreagiert, hab sie wütend angeschaut, mein Rätsel gepackt und bin davon gelaufen, ohne dass sie überhaupt verstanden hat was da los ist. In der Reflexion habe ich dann gemerkt, dass sie mich getriggert hat. Sie hat also die Überzeugung «ich bin sowieso doof» bestätigt, indem sie fordernd meinte, dass «man» dies doch wissen sollte. So wurde mir klar, dass diese Überzeugung nach wie vor, bis heute ins Erwachsenenleben in meinem Unterbewusstsein gespeichert war, ohne dass ich das wusste. So konnte ich ihr natürlich mein verhalten erklären und ich konnte für mich die Wahl treffen, was ich denn ab sofort glauben möchte. Stimmt das denn? Nein natürlich nicht, also entscheide ich mich, per sofort zu wissen, dass ich intelligent genug bin und die alten «Weisheiten» gehen lassen darf.


Die nächste Frage, Seraina hat mich gefragt, wozu der innere Kritiker gut sein soll. Dieser sei immer da, in ihrem Kopf, und hindert sie daran, sich voll zu entfalten


Sehr spannend. Der innere Kritiker. Kennst du das auch? Diese Stimme im Kopf, die immer alles besser weiss? Die uns ständig sagt, was wir alles falsch machen? Das gemeine ist, wir machen alles, was wir machen, nicht gut genug. Wir wissen aber auch gar nicht, was denn der Massstab ist. Wir wissen also nicht, wenn wir die 8 erreichen, dann reicht das. Nein, es ist einfach nie genug. Nun die Frage von Seraina, wozu dieser denn gut sein soll.


Und was ist denn seine Motivation hinter dem ganzen? Der innere Kritiker ist ein Schutzprogramm. Er will uns schützen vor Enttäuschungen, vor negativen Gefühlen, ja vor schlechten Erfahrungen. Dies ist allerdings abhängig von deinen Glaubenssätzen und Überzeugungen. Zum Beispiel haben wir früher einmal gelernt, dass wir Anerkennung erhalten, wenn wir leisten. Dass wir Liebe erfahren, wenn wir gute Ergebnisse zeigen. Seien es Schulnoten, Diplome, gewonnene Wettkämpfe, das spielt keine Rolle. In unserem Kopf ist gespeichert, dass wir Umarmungen, Anerkennung und Liebe erhalten, wenn wir etwas erreichen. Du hast also vielleicht den Glaubenssatz gespeichert «wenn ich leiste, werde ich geliebt». Nun unternimmt der innere Kritiker alles, um genau das zu erreichen. Um die Liebe zu erfahren, die du eben nur erhältst, glaubst du jedenfalls, wenn du gute Leistungen vollbringst.


Das sind also alles Schutzkonzepte, die wir in unserer Kindheit entwickelt haben, damals funktioniert haben und wir deshalb beibehalten haben. Diese Schutzkonzepte haben uns damals am Leben erhalten, denn wer keine Liebe erfährt, stirbt.

Nun ist die grosse Frage, brauchst du dieses Schutzprogramm heute noch? Oder brauchst du vielleicht die Anerkennung von Aussen gar nicht mehr, und kannst dir die Liebe die du brauchst, selber geben?


Andreas fragt, wie kann ich lernen mich selber zu lieben?


Eine gute Frage, die uns vermutlich alle beschäftigt, eine Frage die total komplex ist. Viele von uns leiden darunter, dass sie sich selber nicht mögen, geschweige denn lieben. Ich habe auch dazu gehört. Habe mich selber nicht gemocht und diese sabotierende Stimme in meinem Kopf gehabt. Habe mich selber verdammt.


Ich persönlich glaube, der erste wichtigste Schritt ist eine Entscheidung.

Die Entscheidung, dass ich lernen will, mich selber zu lieben. Und ich glaube auch nicht, dass das von heute auf morgen geht. Viel mehr ist ein Prozess, wieder zu sich selber zu finden, sich selber wieder attraktiv und liebenswert zu finden. Ich glaube, es ist sinnvoll, dass du verstehst, woher überhaupt diese Gedanken kommen. Gedanken wie «ich bin nicht gut, nicht hübsch, nicht schlank, nicht liebenswert genug» oder was auch immer du denkst. Diese Gedanken hast du irgendwann in der Kindheit abgespeichert und bis heute mit dir herumgetragen. Aufgrund eines oder mehreren Ereignissen in deiner Kindheit hast du geschlussfolgert, dass du nicht gut genug bist.


Das ist ein Konzept, dass dir damals in deiner Kindheit geholfen hat. Doch heute, so viele Jahre später, darfst du dich fragen, ob das denn überhaupt noch stimmt. Bin ich denn wirklich nicht gut genug? Und wenn ja, für wen bin ich denn nicht gut genug? Um daraufhin eine Entscheidung zu treffen, was und wie du denn über dich denken möchtest.

Auch wenn du das hier und jetzt noch nicht glaubst, macht es Sinn, dir zu überlegen, wohin du möchtest. Wie möchtest du über dich denken? Oder vielleicht gelingt dir das besser, wenn du überlegst, was möchtest du denn, dass die anderen Menschen über dich sagen? Das können Sätze sein wie «ich bin liebenswert, ich bin lustig, ich bin aufgestellt, ich bin glücklich, ich liebe mich so wie ich bin, ich akzeptiere meinen Körper» und so weiter. So hast du schon einmal den Fixstern definiert, wo du hin möchtest. Nun ist es wichtig, dass du tagtäglich daran denkst. Da hat mir zum Beispiel ein Post-It am Badezimmerspiegel geholfen. Darauf stand «ich mag mich von Tag zu Tag mehr» oder «ich akzeptiere meinen Körper jeden Tag etwas mehr». Wenn du nämlich schrittweise vorgehst, ist es viel einfacher, als von Anfang an, von dir zu erwarten, dass du dich jetzt lieben musst. Mit kleinen Schritten zum Ziel.

Vor dem Schlafengehen kannst du dich auch immer wieder ausmalen, wie du dich denn fühlen würdest, wenn du dich selber lieben würdest. Oder was du denken würdest, wenn du deinen Körper akzeptieren würdest. Was mir sehr stark geholfen hat, besonders beim Akzeptieren des Körpers, war meine Ausbildung zur Ernährungsberaterin. Da habe ich nämlich gelernt, welches Wunderwerk unser Körper ist. Ich habe verstanden, was da alles passiert in meinem Körper drin, ohne dass ich überhaupt etwas dafür tue. Dieses Verständnis löste in mir eine starke Bewunderung für meinen Körper aus. Auch habe ich verstanden, dass mein Leben um ein vielfaches einfacher wird, wenn ich mit mir zusammen arbeite. Wenn ich mich selber nicht bekämpfe, sondern zum Mitstreiter wähle. Seither ist mein Alltag so viel einfacher geworden, weil einfach ein Einklang entstanden ist, zwischen Verstand und Körper.


Sharon fragt, wie kann ich unterscheiden, ob die Worte in meinem Kopf vom Herzen und nicht vom Verstand kommen?


Eine sehr gute Frage, welche ich auch lange nicht beantworten konnte. Doch letztens habe ich folgendes gehört, das Herz erklärt nicht, der Verstand schon. Das fand ich total spannend und auch stimmig, denn der Verstand ist tatsächlich immer am argumentieren, warum ich etwas tun oder eben nicht tun soll, oder warum dies jetzt der richtige Weg ist. Das macht die Stimme des Herzens nicht.


Spannend finde ich auch, dass der Verstand Entscheidungen trifft, aufgrund der Erinnerungen und Erfahrungen die er gemacht hat. Da wir ja aber nur 5% auf der bewussten Ebene wahrnehmen, ist es irgendwie logisch, dass auch das Erinnerungsvermögen relativ klein ist. Die 95% die wir unbewusst wahrnehmen, glaube ich, sind in direkter Kommunikation mit unserem herzen. Wenn also unser Herz einen Weg vorschlägt, den wir rationell, also mit dem Verstand nicht erklären können, dann liegt das meiner Meinung nach daran, dass das Unterbewusstsein soo unfassbar viel mehr abgespeichert hat, als der Verstand. Somit also in einer viel grösseren Bibliothek nach Erfahrungen stöbern kann, vielleicht sogar in der Bibliothek der vorherigen Leben. Deshalb glaube ich, dass das Herz manchmal Wege vorschlägt, die der Verstand nicht nachvollziehen kann, wie der Buchtitel von Pascal Raise so schön sagt.


Und noch die letzte Frage von Taylor, wie entstehen Glaubenssätze?


Die meisten unserer Glaubenssätze entstehen in der Kindheit, genauer gesagt in den ersten 6 Lebensjahren. Glaubenssätze sind also Sätze, Muster oder Redewendungen, die wir entweder von einer Bezugsperson gehört und gespeichert haben, oder aber aufgrund eines Ereignisses das vorgefallen ist, geschlussfolgert haben. Das können Sätze sein wie «wenn du artig bist, dann haben wir dich lieb» was vielleicht Jemand immer wieder gesagt hat, was du automatisch glaubst und in deinem Hirn speicherst. So lange im Hirn speicherst, bis du es bewusst veränderst. Oder aber das sind Muster wie das, dass du immer Süsses erhalten hast, wenn du gute Leistung vollbracht hast. Damit speicherst du vielleicht so etwas wie «wenn ich leiste, bin ich geliebt». Oder du schlussfolgerst etwas, zum Beispiel wenn deine Eltern immer wieder gestritten haben, dann suchst du auch da nach dem möglichen Grund dafür. Das könnte dann so etwas sein wie «ich bin eine Last für meine Eltern», oder «ich bin Schuld, dass meine Eltern sich nicht mögen».


Wenn du auf die Welt kommst, dann bist du zu 100% abhängig von mindestens einer Bezugsperson. Andernfalls würdest du nicht überleben. Es beginnt also eine Beziehung in Abhängigkeit. Das heisst also, da du abhängig bist von der Bezugsperson, meistens Mutter oder Vater, sind sie die wichtigsten Menschen für dich. Wenn nun etwas passiert in deinem Leben, ein Ereignis, welches du vielleicht nicht verstehen kannst, dir Schmerzen bereitet, physisch oder psychisch, oder du eine schwierige Erfahrung machst, dann suchst du nach Erklärungen. Das ist ganz normal. Wir wollen immer, bis wir sterben, verstehen warum etwas passiert. Nun wirst du in den meisten Fällen nicht denken, dass deine Eltern etwas falsch gemacht haben. Denn sie sind ja sozusagen deine Helden, sind ja an deinem Überleben interessiert. Ganz logisch schlussfolgerst du, dann muss mit mir etwas falsch sein. Dann muss ich etwas falsch gemacht haben, sonst wäre das nicht passiert. Es muss so sein, dass ich nicht lieb genug bin, nicht schön genug, nicht stark genug, nicht genug geleistet habe. Sonst wäre dieses Ereignis jetzt nicht vorgefallen. Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Wir suchen einen Verantwortlichen, eine Erklärung dafür was passiert ist. Und da komme ich als Kleinkind höchst selten bis niemals auf die Idee, dass das meine Eltern sein könnten. Im Gegenteil. Sie sind ja meine Helden, sie machen alles richtig. Automatisch schlussfolgere ich, dass es demnach ich sein muss, der falsch ist. Ich habe etwas falsch gemacht, oder nicht gut genug gemacht und deshalb passiert mir das.


Ein Schutzmechanismus hat eingesetzt, der dafür sorgt, dass ich zukünftig besser werde und mich daran halte, damit mir das nicht noch einmal passiert.

Nun, da wir verstehen, wie das passiert ist, verstehen wir vielleicht auch, dass das eine Schlussfolgerung aus der Kindheit ist. Dass sie in den ersten Lebensjahren entstanden ist. Das heisst, dass ich mich jetzt auch fragen kann, ob es denn überhaupt noch stimmt, was ich hier über mich erzähle. Stimmt das? Rein rationell gesehen, stimmt das noch? Oder ist es Zeit, diese Geschichte loszulassen? Bin ich tatsächlich eine Last für Andere? Oder bin ich schuld, dass Andere streiten? Oder was auch immer du gespeichert hast, so lange du diese Glaubenssätze nicht bewusst änderst, sind sie noch in deinem Gehirn abgespeichert und beeinflussen dein Leben.






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