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  • Karin

#33 Use us dem Jammertal


Bestimmt kennst du das auch? Entweder es ist zu heiss, zu kalt, zu feucht, zu windig oder zu stickig. Egal wie das Wetter ist, wir finden immer etwas zum Jammern, nicht wahr? Wir alle sind selber betroffen und zusätzlich umgeben von Jammerer, manchmal tut es gut, manchmal nervt es aber einfach nur. Vor allem dann, wenn wir selber gut gelaunt und positiv gestimmt sind und mit einem Jammerer zusammen den Tag verbringen. Aber warum jammern wir? Was steckt dahinter und wie kommen wir aus dem Jammertal wieder raus?


Mögliche Ursachen

Wir Menschen unterscheiden uns darin, wie mir mit einer misslichen oder unfairen Lage bzw. mit Kummer umgehen. Manche Menschen betrachten ihre Probleme und Sorgen als eine rein private Angelegenheit, die nur sie selbst etwas angehen und mit denen sie alleine klarkommen wollen. Andere wiederum lassen ihr Umfeld an ihrem Unglück teilhaben - sie jammern über ihre Situation. Wie werden wir zu Jammerern?

Viele Ursachen können dazu führen, dass wir über unsere Situation jammern. Beispielsweise:

  • Unsere Eltern oder nahen Bezugspersonen gehören auch zu den Menschen, die anderen gegenüber über ihr Elend klagen oder klagten. So haben wir es uns das Jammern abgeschaut.

  • Als Kind haben wir gelernt, dass wir Belohnung, Mitleid oder Zuwendung bekamen, wenn wir anderen unser Leid klagten oder eben jammerten

  • Unser Jammern hat sich im Laufe unseres Lebens als Strategie bewährt, dass unser Umfeld uns erhört und unliebsame Aufgaben abgenommen hat. So hat sich Jammern z.B. dafür bewährt, Verantwortung nicht tragen zu müssen.

  • Wir haben erlebt, dass andere uns trösten, wenn wir ihnen unser Leid klagen. So hören wir die positiven, aufbauenden Gedanken, die wir uns selbst nicht geben können.

Ich persönlich finde, dass Jammern und Klagen auch mal sein darf. Es passieren unangenehme Dinge über die wir uns beschweren möchten, das gehört zum Leben dazu. Wie fast überall ist es die Dosis die das Gift macht.


Was ist das Positive am Jammern?

Indem wir laut jammern, entlasten wir uns selber. Mit den Zuhörenden entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, es schafft Nähe und stärkt das soziale Miteinander. Gemeinsames Jammern kann also verbinden.


Was ist das Negative am Jammern?

Die Verbindung entsteht aber eben nur dann, wenn alle Beteiligten gleich über die Situation denken. Ist der Zuhörende aber gerade in einem ganz anderen Modus, kann das Jammern totale Ablehnung kreieren. Wir kennen das alle von der Arbeit, wenn ein Kollege sich beschwert über den Chef, der in der Situation seiner Meinung nach völlig „falsch“ reagiert hat. Ich aber habe die Situation ganz anders wahrgenommen und bin deshalb mit seinem Genörgele nicht wirklich einverstanden. Dies schafft eher Distanz untereinander.


Das Problem beim Jammern ist, dass wir nicht ins Handeln und Verändern kommen. Im Gegenteil, wir fokussieren uns auf das Negative und verharren im Status Quo. Wir bleiben also in unserer Opfer-Rolle und bekommen von Aussen dann auch noch den Trost. Oftmals deuten wir dies als Bestätigung für unser Unbeweglichkeit.


Dann kommt noch ein anderer Aspekt dazu. Oft versteckt sich hinter dem Gejammer auch eine andere Aussage als die, die wir tatsächlich aussprechen. Wenn ich zu meinem Partner sage „immer muss ich kochen“, meine ich doch eigentlich „ich würde mich freuen, wenn du heute kochen würdest“. Oder wenn ich ihm vorwerfe „dass er viel zu oft mit den Jungs zum Fussballspiel geht“, meine ich doch eigentlich „ich fände es schön, wenn du mit mir Zeit verbringst“. Wir verkleiden aber unsere Enttäuschung mit unserem Gejammer, in der Hoffnung eher gehört zu werden. Wir lernen ja seit Baby, dass wir Aufmerksamkeit bekommen, wenn wir uns beklagen oder eben, jammern.


Was denn sonst wenn nicht jammern?


Natürlich ist es okay, auch mal auszurufen. Idealerweise schaffen wir es, dies zeitlich zu beschränken und vor allem andere damit nicht zu lange zu nerven. Es ist natürlich nicht immer leicht, das umzusetzen. Ich erwische mich noch immer dabei, wie ich über Situationen jammere, an denen ich nichts ändern kann. Dann hilft es mir auch, mich selber nicht so wichtig zu nehmen. Ich persönlich finde sowieso, dass die Menge das Gift macht. Heisst, dass es immer darauf ankommt, wie oft und warum wir jammern. Wenn wir uns ständig über Monate oder gar Jahre hinweg über dasselbe beschweren und nichts an der Situation ändern wollen, dann nerven wir nicht nur selber sondern auch das Umfeld. Denn Niemand mag immer dasselbe Genörgele anhören.


Aber Oscar Wilde hat einmal gesagt „Unzufriedenheit ist der erste Schritt zum Erfolg“. Und vielleicht stimmt das ja wirklich. Vielleicht spüren wir im Jammertal, was uns wirklich fehlt und was sich verändern muss. Der Schmerz kann also Start in eine positive Richtungsänderung sein. Denn Jammern zeigt uns ja einen Missstand auf, der uns dazu bewegt, aktiv nach neuen Lösungen zu suchen. Vielleicht ist Jammern sogar ein Weg zur Selbsterkenntnis.


Kurz-Jammerer

Es gibt die Jammerer, die erst einmal ihren Frust ablassen müssen, um dann relativ bald eine Stufe weiter, nämlich ins Handeln und Verändern zu kommen. Diese Menschen halte ich für die angenehmsten Jammerer, denn wie gesagt, die Dosis macht das Gift.


Dauer-Jammerer

Es gibt die, die sich in ihrem Jammersumpf eigentlich ganz wohl fühlen. Wie eine Bekannte von mir, die immer, seit ich auf der Welt bin, sagt „dass sie sich durch das Leben durchschlägt“, wenn ich sie frage wie es ihr geht. Eigentlich kenne ich sie nur jammernd. Warum sie das macht, und vor allem, wie sie so durch ihr Leben gekommen ist, verstehe ich bis heute nicht. Aber diese Art von Menschen holen sich die Bestätigung und Zuwendung Anderer, und müssen somit nichts an ihrer Situation ändern. Das ist bequem und einfach. Sie bleiben in ihrer Komfortzone und verharren im Status Quo. Doch das Leben verliert somit auch an Leichtigkeit und Freude, ist somit also geprägt von Schwere und Last.


Jammern aus Selbstschutz

Es gibt aber auch noch das Jammern aus Selbstschutz. Wenn Jemand gut verdient, dann jammert er vielleicht sicherheitshalber über die vielen Überstunden oder die schlechten Arbeitszeiten, das relativiert den hohen Verdienst, hält die Neider zurück und vermindert weitere unangenehme Reaktionen.


Wie gehe ich am Besten um mit Jammerer?

Ich glaube, das wichtigste ist, dass wir wissen, dass Jammern ansteckt. Bin ich also selber positiv und optimistisch und begegne einem jammerer, ist wichtig, dass wir uns abgrenzen können. Entweder das Gejammer abprallen lassen oder aber den Jammerer unterbrechen und darüber zu informieren. Ich glaube, es gibt auch Jammerer, die gar nicht merken, dass sie immer jammern. Vielleicht macht es auch Sinn, Jene darauf aufmerksam zu machen? Vielleicht sogar einmal Fragen zu stellen wie, „wie hättest du es denn gerne stattdessen“? oder „was kannst du denn an deiner Situation verändern“?


Aus meinem Leben

Ich kenne das nur zu gut von mir selber. Ich glaube, Menschen wie ich, die schmerzempfindlich, oder auf gut deutsch wehleidig sind, haben eine grössere Tendenz zum Jammern. Ich sehe das bei Dani und mir besonders gut, Dani’s Schmerztoleranz ist um einiges höher als meine und jammert praktisch nie, trotz Verbrennungen an Armen und Händen aus dem Küchenalltag.


Im Gegensatz zu mir. Es gibt Phasen in denen ich mich selber Opfer des Lebens fühle, alles und jeder nervt mich, nichts läuft wie ich es will und sowieso bin ich die Ärmste. Dann finde ich 100 Dinge, über die ich jammern kann. Inzwischen habe ich meine Sensoren stark darauf geschärft und merke schnell, dass ich im Opfermodus gefangen bin. Wenn ich da drin bin, bin ich weder lösungsorientiert noch gewillt mich zu bewegen, geschweige denn produktiv oder effizient. Ich sehe dann das kleine Kind das vor sich hin stänkert und vielleicht sogar am Boden liegt. Dies sind Momente, in denen ich erkenne, dass mir das alles nichts bringt und ich da wieder raus muss.


Raus aus dem Sumpf – ein paar Tipp


1. Bewusste Entscheidung treffen

Das einzige was mir hilft, ist der bewusste Entscheid, raus aus dem Jammertal zu wollen. Bevor das nicht passiert, bewege ich mich keinen Millimeter. Mit dem getroffenen Entscheid gelingt es mir dann, anzuerkennen, dass das Jammern jetzt vorbei ist und ich kann mich in die Vogelperspektive begeben. Von oben, respektive mit Distanz sieht nämlich alles immer etwas einfacher aus. Dann kann ich analysieren und verstehen, was eigentlich genau die Situation ist, um dann die Lösung in Angriff zu nehmen. Und dann weiss ich, es gibt 3 Möglichkeiten,

1. entweder ich akzeptiere die Situation

2. ich verändere die Situation

3. Oder ich verlasse die Situation


2. Anerkennung der Fülle

Was mir auch immer hilft, ist das besinnen auf das Jetzt. Anzuerkennen was ich eigentlich alles habe, welche Fülle und Freude mich umgibt und welche Chancen und Möglichkeiten ich in meinem Leben alles habe.


3. Sich selber in die Augen schauen

Vielleicht hilft es dir sogar, wenn du vor den Spiegel stehst um zu Jammern, da vergeht dir relativ schnell die Lust


4. Wortwahl hinterfragen

Oft sagen wir, dass wir etwas erledigen müssen, oder arbeiten gehen müssen oder etwas abholen müssen. Aber müssen wir denn wirklich? Haben wir nicht die Wahl? Vielleicht ist es an der Zeit, die eigene Wortwahl zu hinterfragen. Will ich denn nicht zur Arbeit? Oder möchte ich etwas erledigen? Denn eigentlich haben wir immer die Wahl, oder?


5. Nach dem Positiven Aspekt suchen

So ziemlich alles was uns wiederfährt, hat auch einen positiven Aspekt. Machen wir uns auf die Suche nach diesem und drehen den Spiess um


Fazit

Jammern hilft. Da sind wir uns einig. Doch versuchen wir, das Jammertal nur zu durchqueren und bald wieder auf den Positivberg zu kommen, damit wir da die Herausforderungen bewältigen können.


Quellen

Warum Jammern gesund sein kann!? (muenchen-heilpraktiker-psychotherapie.de)

Handeln statt nörgeln - Mit diesen Tipps kommen Sie aus dem Jammertal - Radio SRF 1 - SRF

Nicht jammern und klagen - handeln! (psychotipps.com)

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