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  • Karin

#32 Use us dr Komfortzone



Kennst du das Gefühl, raus aus der Komfortzone zu gehen? Weisst du auch, wie wohlig wir uns in der Komfortzone drinnen fühlen? Wir alle haben schon beides erlebt. Die Psychiaterin Judith Bardwick beschreibt Komfortzone als einen angstneutralen Verhaltenszustand einer Person.


Definition

In meinen Worten ist die Komfortzone ein Ort, in dem wir uns sicher fühlen. Die Situation oder das Umfeld ist gewohnt und klar, wir haben alles unter Kontrolle und es gibt keinen Grund für Gefahr. Es ist bequem hier. Alles ist routiniert. Die Komfortzone fühlt sich erst einmal gut an. Dein Leben ist mit weniger Anstrengung verbunden, du kannst deinen Gewohnheiten nachgehen und erlebst nur selten negative Überraschungen.

Aber vielleicht siehst du das ganz anders, denn jede Komfortzone ist individuell und hängt ganz von dem jeweiligen Menschen ab. Für die Einen ist es relativ simpel auf fremde Menschen zuzugehen, während sich andere winden und drücken davor, wann immer möglich.


Die Stimme die sich meldet, sobald wir aus der Komfortzone gehen wollen oder müssen, ist das Ego. Das Ego meldet sich mit angstvoller Stimme und erzählt dir, warum dies alles gar keine gute Idee ist, nicht wahr? Das kennen wir bestimmt Alle, die Stimme findet dann viele Gründe, warum wir nicht losgehen sollen. Meistens liegt dahinter die nackte Angst. Das Ego möchte am liebsten immer in der Komfortzone bleiben, denn da fühlt es sich wohl, da sieht es keine Bedrohung. Doch dann meldet sich die innere Stimme, die Intuition, die eben Lust hat auf Abenteuer, Lust hat auf Neues, Lust hat etwas zu entdecken und es beginnt ein innerer Dialog. Kennst du das?


Aus meinem Leben

Im Podcast Nummer 24 habe ich bereits darüber gesprochen, wenn ich selber das Gefühl habe festzustecken, nicht mehr weiter zu kommen, oder der Alltag eingekehrt ist, dann fühlt sich mein Ego wohl. Doch der innere Abenteurer meldet sich dann relativ schnell und will etwas Neues erleben. Dann zwinge ich mich immer wieder aus der Komfortzone zu gehen. Denn ich mag dieses Gefühl ganz und gar nicht, dass jeden Tag alles gleich ist. In meinem Falle habe ich dann vor ein paar Wochen gestartet mit einem Basiskurs in Improvisationstheater und habe angefangen Gitarre zu spielen. Damit lerne ich nicht nur Neues sondern fordere mich vor allem im Theater auf ganz neue Art und Weise heraus. Seither habe ich das Gefühl, dass mein Leben wieder in Schwung gekommen ist.

Nun werden wir in unserem Alltag ja alle immer wieder in Situationen gezwungen, in denen wir uns aus der Komfortzone bewegen müssen. Sei es mit einem neuen Teammitglied, neue Aufgaben im Job, ein neues Mitglied im Verein, vielleicht neue Herausforderungen in der Beziehung oder im Freundeskreis. Auf die neue Situation reagiert unser Ego meistens mit Panik. Das hat viel mit der Evolution zu tun, denn das Überleben wertet das Ego als die wichtigste seiner Aufgaben. Und innerhalb der Komfortzone ist eben das Überleben gesichert.


In 5 Schritten aus der Komfortzone

Wie können wir also mit dem Schritt aus der Komfortzone umgehen, wenn uns dies richtig schwer fällt?

  1. Erst einmal zur Ruhe kommen. Lass die Angst und die hochkommende Panik erst einmal setzen, denn in diesem Zustand triffst du keine guten Entscheidungen

  2. Beobachte die Situation erst einmal aus der Vogelperspektive, frei von Wertungen Also zum Beispiel: ein neues Teammitglied ist da, sie heisst Sandra und sitzt am Bürotisch neben mir. Sie übernimmt einen Teil meiner Aufgaben, damit ich entlastet werde. Oder der neue Chef hat gestern angefangen, er heisst Markus. Er übernimmt die Position von Seraina, die bereits weg ist. Oder mein Partner möchte die Wohnung umstellen. Er möchte etwas Abwechslung in unser Leben bringen

  3. Und dann versuche herauszufinden, welche Gefühle du damit verbindest Ich habe Angst, dass Sandra es besser macht als ich und ich meinen Job verliere Oder ich habe Angst, dass Markus alles verändert und umstellt und ich habe Angst, dass er alles was wir erschaffen haben als negativ bewertet Oder ich habe Angst, dass ich die neu umgestellte Wohnung nicht mag

  4. Und der nächste Schritt ist, dein Bedürfnis dahinter herauszufinden Ich möchte meinen Job behalten. Sandra und ich sollen uns ergänzen und gegenseitig entlasten können Oder ich möchte wertgeschätzt werden, für das, was wir als Firma bis heute aufgebaut haben, und möchte mich wohl und sicher fühlen in der Firma Oder ich möchte mich zu Hause wohl fühlen

  5. Und der letzte Schritt ist dann, entweder mit Betroffenen das Gespräch zu suchen oder aber mit sich selber das Gespräch zu suchen


Probiere es doch einmal aus, wenn du das nächste Mal aus der Komfortzone gezwungen wirst. Denn Persönliches Wachstum kann nur außerhalb der Komfortzone entstehen, also wenn der Mensch gezwungen wird, sich neuen Erfahrungen zu stellen und Herausforderungen zu meistern. Die Komfortzone hört nämlich genau dann auf, wenn eine Situation ungewohnt für dich ist, wenn du dich vielleicht sogar unwohl fühlst und dich deinen Ängsten stellen musst. Doch nur dann kannst du genau diese Ängste überwinden und persönlich wachsen.


Evolution

Zu tun hat das ziemlich sicher mit unserem Hirn, dieses ist ja ein Überlebenskünstler, was übrigens auch seine einzige Aufgabe ist. Überleben. Dabei ist wichtig, dass wir nicht zu viele Risiken eingehen, denn sonst ist ja das Überleben gefährdet. So ist es für uns absolut wichtig, dass wir überhaupt eine Komfortzone haben, denn dies ist wie eine Art Rückzugsort. Wären wir konstant ausserhalb der Komfortzone, wären wir total überfordert. Ständige Überforderung, sich also permanent außerhalb der eigenen Komfortzone zu bewegen, führt hingegen zu Erstarrung oder Panik. In einem solchen geistig-seelischen Zustand lernen wir gar nichts. Stattdessen zeigen wir reflexartige, stereotype Verhaltensmuster. Wir spulen unter solchen Bedingungen automatisierte Programme ab. Lernen und Entwicklung geschieht also dann, wenn wir gefordert und sogar leicht überfordert werden. Unterforderung führt erfahrungsgemäß schnell zu Langeweile. Und wer dauerhaft in der Komfortzone verbleibt, verschließt sich neuen Erfahrungen und persönlichem Wachstum. Der Mensch ist in seinen Denkmustern festgefahren. Je länger er in der Komfortzone bleibt, desto schwieriger wird es, sich von seinen Denkmustern und Gewohnheiten zu lösen.


Stagnation

Auch die Motivation lässt in der Komfortzone nach. Wer täglich immer denselben Tätigkeiten nachgeht, kann sich irgendwann nicht mehr verbessern. Er hat bereits alles erreicht, was möglich war. Ziele und Träume haben in der Komfortzone keinen Platz, denn für deren Erfüllung müsstest du in die Wachstumszone übergehen.


Wenn du dauerhaft in der Komfortzone verweilst, kann sich das auch negativ auf deine körperliche Gesundheit auswirken. Besonders komfortabel lebt es sich schließlich auf der Couch. Anfangs musst du für jede Sporteinheit deine Komfortzone verlassen. Es kostet Überwindung, dich dieser Anstrengung auszusetzen. Erst wenn Sport ein Teil deiner täglichen Routine ist, ist er auch Teil deiner Komfortzone. Du hast deine Komfortzone somit erweitert.


Ähnlich sieht es im Beruf aus. Wenn du beruflich vorankommen möchtest, musst du dich neuen Herausforderungen stellen, dir neue Fähigkeiten aneignen und dich stetig weiterentwickeln. Gehst du täglich jedoch nur denselben Tätigkeiten nach, können sich weder deine Fähigkeiten noch dein Wissen erweitern. Du verharrst dauerhaft in einer Position und kannst diese sogar verlieren. Auch eine Umschulung kann dir beispielsweise eine ganz neue Perspektive bieten, setzt jedoch voraus, dass du deine Komfortzone verlässt.


Drei – Zonen - Modell

Allgemein bewegt sich der Mensch in nur drei Zonen, die man anhand des erlebnispädagogischen Drei-Zonen-Modells zusammenfassen kann. Dazu gehört nicht nur die Komfortzone, sondern auch die Wachstumszone und die Panikzone. Während du in der Komfortzone in deinen Gewohnheiten verweilst, kannst du dich in der Wachstumszone neuen Herausforderungen stellen. Wenn du die Wachstumszone betrittst, verlässt du unweigerlich deine Komfortzone. Du brauchst mehr Energie und musst dich mitunter deinen Ängsten stellen. Auch Rückschläge können dich treffen, was kraftraubend sein kann.


1. Komfortzone

Diese erste Zone markiert den Bereich, in dem sich ein Mensch wohl und sicher fühlt. Er kann abschätzen, was auf ihn zukommt und kennt sich aus. Es fällt ihm leicht, anfallende Aufgaben zu bewältigen oder mit seinem Umfeld zu kommunizieren. Kompetenz, Routinen und Gewohnheiten geben hier die nötige Selbstsicherheit. Allerdings können äußere Zwänge oder Eigeninitiative dazu führen, die Komfortzone verlassen zu müssen.


2. Lernzone

Diese zweite Zone wird auch „Wachstums- oder Risikozone“ genannt. Hier betritt eine Person Neuland. Alte Regeln funktionieren nicht mehr. Stattdessen müssen wir uns neuen Herausforderungen stellen. Das sorgt für Unsicherheit und eine generelle Habachtstellung. Wir sind uns möglicher Risiken bewusst und bewegen uns entsprechend vorsichtig. Geht das Experiment und der Plan auf und konnten wir unser Wissen oder unsere Fähigkeiten erweitern, wird die Komfortzone erweitert.


3. Panikzone

Die dritte Zone des 3-Zonen-Modells ist der Bereich, in dem Menschen unter großen Stress geraten. Bis hin zu Panikattacken. Das passiert beispielsweise, wenn Sie nicht nur neues Terrain betreten, sondern völlig im Trüben fischen. Umgebung und Abläufe sind gänzlich fremd, wirken vielleicht sogar feindselig. Dies geht oft mit dem Gefühl von Überforderung, mit psychischen Symptomen wie Zittern und Schweißausbrüchen einher. Wird die Situation gemeistert stellt sich ein Erfolgserlebnis ein.


Aus meinem Leben

Ich erinnere mich noch gut an den Start, als wir mit dem guten Heinrich und Caterings begonnen haben. Jeder Anlass war für mich ein grosser Schritt aus der Komfortzone, denn da war nicht viel Gewohntes mit dabei, alles war Neu. Das Konzept, die Speisen, das Team, und natürlich auch jedes Mal die Location, da wir ja immer zum Kunde nach Hause oder in die Räumlichkeiten der Firmen gingen. Ich war total nervös und hab mich fast wahnsinnig gemacht damit, mir auszumalen, was alles schief laufen könnte. Doch mit den Erfolgserlebnissen erweiterte sich auch meine Komfortzone und die Caterings wurden nach und nach etwas einfacher für mich. Und das Schönste ist, einerseits zurückzuschauen und sich an diese Zeiten zu erinnern und andrerseits zu merken, wie ich bei jedem noch so grossen Event denke, dass wir ja schon ganz anderes gemeistert haben. Das gibt mir ein gutes Gefühl und Bestätigung auf dem richtigen Weg zu sein.


Fazit

Ich persönlich glaube, dass Unser Leben geprägt ist von einem Wechselspiel zwischen Intuition und Ego. Die Intuition, die so viel älter ist als wir selbst es sind, die schon viele Leben erlebt hat, weiss wo wir alle herkommen und weiss, dass wir Teil des Ganzen sind. Die Intuition, die immer wieder in mein Ohr flüstert, in welche Richtung ich gehen soll. Die immer wieder dafür sorgt, dass ich auf meinem Weg bleibe und mir selbst treu bleibe. Die Intuition die lieben möchte, leben und erfahren möchte, Abenteuer und Lust fühlen und Freudig sein möchte.

Und als Gegenstück das Ego. Das Ego sucht nach der Sicherheit, nach Einfachheit, nach Gewohnheit, nach immer gleich, nach Risikofrei. Das Ego hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass wir uns fortpflanzen und überleben. Der Schritt aus der Komfortzone ist für unser Ego immer Gefahr. So ist es auch das Ego, das uns so gerne davon abhalten möchte, aus der Komfortzone zu gehen. Ganz perfid sind das dann Gedanken wie «das schaffst du eh nicht, was glaubst du wer du bist, das klappt sowieso nicht» und so weiter.


Aber ich glaube wirklich auch, dass genau da wo Widerstand ist, der eigentliche Weg entlang geht. Denn dafür sind wir ja da, um unser Wahres Ich kennen zu lernen. Dies treffen wir aber nur ausserhalb der Komfortzone an, und genau da sollen wir uns auch reinstürzen. Deshalb ist die – etwas leisere Stimme des Herzens immer wieder da und erinnert uns an unsere Träume.


Quellen

9 Tipps zum Verlassen deiner Komfortzone » lernen.net

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