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  • Karin

#29 Umgang mitem Tod

Aktualisiert: Juni 12



Wie das Leben so spielt, ist Ende und Neuanfang äusserst nah beieinander. Während meine Freundin gerade erst ein Baby auf die Welt gebracht hat, habe ich fast zeitgleich eine liebe Freundin verloren.


Der Tod ist so definitiv und sicher wie nichts anderes in unserem Leben, und doch sind wir längst nicht vertraut und positiv im Umgang damit. Im Gegenteil, wir fürchten uns vor dem Tod. Warum ist das so? Warum macht uns der Tod solche Angst?


Herkunft der Angst vor dem Tod

Es ist gar nicht so einfach, herauszufinden woher die Angst vor dem Tod kommt. Es kann sein, dass unser individuelles Leben zunehmender an Wichtigkeit gewonnen hat und das Streben nach Erfüllung Priorität hat. Auch ist der Tod zunehmend aus dem Alltag verschwunden, da viele in Heimen oder Spitälern sterben. In unserer heutigen Gesellschaft hat sich der der Tod daher zu einem Feind entwickelt, vor dem die meisten Menschen die Augen verschließen und mit dem sie sich nicht auseinander setzen wollen. Tod und Sterben sind Tabuthemen, bis das Schicksal jemanden durch einen Todesfall unerbittlich dazu zwingt, sich mit der Sterblichkeit zu beschäftigen. Wenn man dies jedoch tut, so kann der Tod seinen übergroßen Schrecken verlieren und wieder als das begriffen werden, was er ist: Bestandteil des natürlichen Kreislaufs von Werden und Vergehen.


Aus meinem Leben

Und genau so ging es auch mir. Die eigene Auseinandersetzung mit dem Thema Tod fiel mir lange äusserst schwer. Oder besser gesagt, ich bin dem Thema ganz einfach aus dem Weg gegangen.

Und wenn Jemand aus meinem Freundeskreis einen lieben Menschen verloren hat, fühlte ich mich total hilflos und wusste nie was ich sagen sollte. Vielleicht auch, weil ich bis dahin selber noch nie jemanden verloren hatte, der mir sehr nahe stand. Ich wusste also auch nicht, wie sich so etwas wirklich anfühlt. Erst als ich vor ein paar Jahren selber einen geliebten Menschen gehen lassen musste, war ich gezwungen mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dani und ich begannen sehr viel darüber zu sprechen und ich beschäftigte mich vor allem auch damit, welche Meinung ich denn habe zum Thema Tod, Wiedergeburt, Leben nach dem Tod, Beerdigungen oder Reise ins Jenseits. Was glaube ich denn überhaupt? Diese Antworten zu finden, half mir auch bei der Verarbeitung des eigenen Verlustes.

Schliesslich begann ich auch mit meinen Eltern darüber zu sprechen, vor allem auch, was sie sich wünschen wenn sie sterben. Natürlich war das ein anspruchsvolles Gespräch, da alleine der Gedanke daran meine Eltern zu verlieren schmerzhaft ist, und dennoch war es so wunderschön und berührend.


Meine Tipps im Umgang mit dem Tod?

Während dem eigenen Trauerprozess habe ich auch gemerkt, dass jeder Mensch einen anderen Umgang mit dem Tod hat. Ich selber habe das grosse Bedürfnis, über den Tod zu sprechen, mich über Erlebnisse mit dem Verstorbenen auszutauschen oder einfach darüber zu philosophieren, was wohl nach dem Tod geschieht. Dabei habe ich schnell gemerkt, mit wem aus meinem Umfeld ich diese Themen ansprechen darf. Denn der Tod ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema. So habe ich ein paar Erkenntnisse gewonnen, die ich gerne mit euch teile:

  • Über den eigenen Verlust zu sprechen tut gut. Natürlich tut es weh, vielleicht kommen auch Tränen, aber es tut einfach gut wenn Jemand zuhört.

  • Falls du als Gegenüber nicht sicher bist, ob ich als Betroffene über den Verlust sprechen möchte, dann frag mich einfach, ob ich das möchte. Viele glauben, dass sie eine Wunde aufreissen, oft ist aber die Wunde sowieso noch offen und das Reden fördert den Trauerprozess

  • Lass den Betroffenen so viel Zeit wie sie brauchen, um über den Tod hinweg zu kommen. Dies ist bei Jedem anders, dabei gibt es kein Richtig oder Falsch.

  • Wenn Du nicht weisst, was Du sagen sollst, dann lass mich daran teilhaben. Dann sag mir „ich fühle mich ohnmächtig, ich weiss nicht, was ich tun soll, ich weiss nicht, was ich sagen soll, ich möchte so gerne für dich da sein“. Das hilft bereits, und ich weiss dann, wo du gerade gedanklich bist, und ich fühle mich dir nahe. Einfach nichts zu sagen und das Thema zu meiden, ist viel schwieriger.

  • Oft wissen wir nicht, wie wir mit der betroffenen Person umgehen sollen. Sollen wir sie ablenken? In Ruhe lassen? Oder darüber sprechen lassen? Am besten fragen wir sie einfach, was sie braucht

  • Eine Kundin hat mir erzählt, dass sie ihren Mann und Sohn in kurzen Abständen verloren hat. Die Frage des Umfeldes wie es ihr denn ginge, fand sie grauenhaft. Denn was glauben wir denn, wie es jemandem geht, der seine wichtigsten 2 Menschen verloren hat? Seien wir vorsichtig mit der Frage „wie geht es dir“. Vielleicht wäre es besser zu fragen wie denn der Alltag momentan machbar ist oder wie der Alltag momentan überhaupt aussieht.

Die 5 Phasen der Trauer

Laut Elisabeth Kübler-Ross, eine der bekanntesten Sterbeforscherinnen, gibt es 5 Phasen im Prozess des Verlustes die ich dir gerne erläutere, obwohl ich der Meinung bin, dass auch das nicht verallgemeinert werden kann. Dennoch ist es vielleicht noch spannend zu wissen:

  1. Leugnen

  2. Schockgefühle, Unglaube, Starre, Betäubung, Fassungslosigkeit, Überwältigt von Gefühlen

  3. Das Leugnen ist in diesem Moment ein Schutz des Trauernden, bis er soweit ist, dass er sich dem Tod stellen kann

  4. Trauernde lassen das Leugnen von Selbst sein, wenn sie soweit sind.

  5. Wut

  6. Warum ausgerechnet ich / mein Partner / Mama / Papa / mein Kind etc.

  7. Das sind Fragen die der Trauernde sich oft mit grosser Wut stellt

  8. Vorwürfe an Beteiligte, Gott oder andere Dritte

  9. Die Wut hilft dem Trauernden, sich vom Schmerz zu erholen

  10. Unterdrücken der Wut kann zu Depressionen und Feindseligkeiten führen

  11. Über die Wut reden, Tagebuch schreiben, auf ein Kissen einschlagen

  12. Feilschen & Verhandeln

  13. Suche nach Antworten und Erklärungen

  14. Schuldgefühle an sich selber „Hätte ich doch nur, warum habe ich nicht“

  15. Quälende Fragen und Vorwürfe an sich selber

  16. Hinter dem „Nicht-annehmen-können“ steckt oft auch der innige Wunsch, noch einmal Zeit mit dem Verstorbenen verbringen zu können

  17. Unterscheiden zwischen wirklicher und falscher Schuld

  18. Gefühlschaos: Angst, Widerwille, Zweifel, Erleichterung, Wut, Traurigkeit

  19. Feilschen, Verhandeln und Hadern mit Gott

  20. Normaler Bestandteil des Heilungsprozesses

  21. Depression / Verstorbener als Begleiter

  22. Das Gefühl von „es ist aus“

  23. Zeigt sich in Form von Hoffnungslosigkeit, Trägheit, Apathie, Isolation und Traurigkeit

  24. Angstgefühle

  25. Unterscheidung zwischen realistischen und unrealistischen Ängsten fällt schwer

  26. Akzeptanz

  27. Es ist gut so, neue Hoffnung, Licht am Ende des Tunnels

  28. Der Tod wird als Realität akzeptiert

  29. Interesse am Leben kehrt zurück

  30. Kann an den Verstorbenen denken ohne von Traurigkeit überwältigt zu werden


Der Umgang mit dem Tod in unserer Gesellschaft

Während andere Kulturen den Tod zelebrieren, ist unsere westliche Gesellschaft eher gehemmt im Umgang damit. In Indien zum Beispiel gehört der Tod zum Leben dazu, wie die Geburt auch. Wer schon einmal in Indien war, weiss dass nach dem Trauerumzug der Verstorbene verbrannt wird. Denn die Inder glauben, dass bei der Verbrennung die Seele endgültig vom Körper getrennt wird. Alle tragen die Farbe der Trauer, nämlich Weiss. Die Hinterbliebenen begeben sich zum nächsten Fluss, wo die eigentliche Zeremonie stattfindet. Die Asche wird in einem schönen Ritual vermischt mit Reis und buntem Farbpulver, dies wird dann dem Fluss übergeben.

Der Tod ist im Hinduismus also nicht als etwas Schreckliches oder Negatives angesehen, sondern steht für Befreiung und für den Übergang von einer alten in eine neue Existenz. Er ist den Hindus allgegenwärtig und vertraut und wird nicht tabuisiert, wie es oft in westlichen Kulturen der Fall ist.


Trauerbegleitung

Glücklicherweise gibt es in der Schweiz auch Menschen, die sehr gut mit dem Tod umgehen können und dich ideal begleiten können. Menschen wie meine Kollegin Andrea Schena, die Ritual- und Zeremoniegestalterin ist, begleitet Todesfälle mit wundervollen Abschiedszeremonien, die ich von Herzen empfehlen kann. Du findest sie auf andrea-schena.ch. Oder Menschen wie David Naef, der mit seiner Firma Finis GmbH alle möglichen Arten von Bestattungen macht und dich unterstützt bei der ganzen Organisation.


Fazit

Ja, ich merke, dass ich, seit ich über den Tod gesprochen und viel nachgedacht habe, viel ruhiger bin und mit solchen Nachrichten viel besser umgehen kann. Für mich ist ganz klar, dass es die Wiedergeburt gibt und jedes Leben zu seiner Zeit beendet wird. Das gibt mir grossen Trost. Auch mit Daniel darüber gesprochen zu haben, was wir dann machen und wie wir damit versuchen umgehen zu wollen, gibt mir grosse Ruhe und Zuversicht. Der Moment wird kommen, dass ich von meinen Liebsten Abschied nehmen muss. So spielt das Leben. Doch wir sehen uns wieder, daran glaube ich. Woran glaubst du?


Erwähnte Partner

Ritual- & Zeremoniegestaltung: www.andrea-schena.ch

Individuelle Bestattungen aus Liebe zum Menschen: www.finis.ch


Quellen

Trauerbewältigung - Die verschiedenen Phasen der Trauer (sprechzimmer.ch)

Umgang mit dem Tod: In unserer Gesellschaft fehlt der Mut zu trauern - WELT

Der Umgang mit dem Tod früher und heute | Gedenkseiten.de


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