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  • Karin

#26 Dr inneri Kritiker - Fründ oder Feind?

Aktualisiert: 12. Juni 2021


Was den inneren Kritiker ausmacht

Viele von uns kennen ihn, den inneren Kritiker, oder ich nenne ihn so gerne den inneren Antreiber. Er lebt im Kopf, im Verstand und redet vermutlich fast ununterbrochen auf uns ein. Er hat den Anspruch auf Perfektion, er hat unglaublich hohe Anforderungen, an uns selbstverständlich, nicht an Andere. Mit Anderen ist er viel grosszügiger. Mit uns jedoch, ist er unfassbar streng. Und das, was ich immer so unfair fand, er sagt uns nicht, wann es denn gut genug ist. Er sagt uns nicht, wenn du bei 10 bist, dann bin ich ruhig, wir erfahren gar nie was die 10 ist. Es ist eben nie gut genug. Egal was wir tun. Das Verrückte ist, solange wir diesen Bann nicht bewusst durchbrechen, wird das immer so bleiben. Auch glauben wir ihm alles was er sagt, denn er ist ja in meinem Kopf, er hat ja auch ein bisschen Recht, glaube ich jedenfalls.


Und das kann uns in den Abgrund treiben. Denn er hat die gesamte Macht über uns, wenn wir dies nicht erkennen und verändern, dann bleibt das auch so. Er steuert uns, lässt uns nie zur Ruhe kommen und fordert immer mehr. Auch treibt er uns nicht mit positiven, motivierenden Gedanken, sondern mit sabotierenden Gedanken an. Seine Hauptmotivationen sind Perfekt-sein und Anderen-alles-recht-machen. Also das sind dann Sätze in unserem Kopf wie „war ja klar, dass du das nicht besser hinkriegst“ oder „ja jetzt hast du zwar bestanden, aber das hättest du besser machen können“ oder „willst du jetzt wirklich frei oder pause machen? Du solltest doch…“.


Und was ist denn seine Motivation hinter dem ganzen? Der innere Kritiker ist ein Schutzprogramm. Er will uns schützen vor Enttäuschungen, vor negativen Gefühlen, ja vor schlechten Erfahrungen. Zum Beispiel haben wir früher einmal gelernt, dass wir Anerkennung erhalten, wenn wir leisten. Dass wir Liebe erfahren, wenn wir gute Ergebnisse zeigen. Seien es Schulnoten, Diplome, gewonnene Wettkämpfe, das spielt keine Rolle. In unserem Kopf ist gespeichert, dass wir Umarmungen, Anerkennung und Liebe erhalten, wenn wir etwas erreichen. Der innere Kritiker sorgt auch dafür, dass wir unseren Vortrag gut vorbereiten, damit wir uns nicht vor der ganzen Klasse blamieren.

Das sind also alles Schutzkonzepte, die wir in unserer Kindheit entwickelt haben, damals funktioniert haben und wir deshalb beibehalten haben. Jedoch brauchen wir diese heute ja gar nicht mehr so. Denn inzwischen haben wir vielleicht gelernt, uns selber Anerkennung zu geben und sind nicht mehr angewiesen auf die Anerkennung von Aussen.


Ja und was ist das schöne am inneren Kritiker? Er hat mich zu Bestleistungen getrieben, er sorgt dafür, dass wir richtig gute und hochwertige Leistungen bringen. Er ist unermüdlich und immer präsent. Er hat immer dafür gesorgt, dass ich Dinge durchziehe, dranbleibe und nicht aufgebe. Und das hat für mich sehr lange gut funktioniert.


Meine Erlebnisse mit dem inneren Kritiker...

Schon während der Ausbildung in der Hotelfachschule hat er mich dazu angespornt, Bestleistungen zu bringen, alles zu geben und kaum zu ruhen.


Und besonders als Dani und ich zum ersten Mal Geschäftsführer eines Restaurants wurden am Flumserberg, hat mein innerer Antreiber für den Erfolg gesorgt. Denn ich bin zwei Jahre lang nicht zur Ruhe gekommen an diesem Berg. Wir haben in der Wohnung oberhalb des Restaurants gewohnt, was ein grosser Vor- und Nachteil gleichzeitig war. Oft war ich die erste die kam, und die letzte die ging. Und auch meine Gedanken waren immer im Restaurant. Selbst an einem freien Tag bin ich über Mittag in meiner Wohnung auf der Terrasse gesessen und habe den Menschen unter mir zugehört. Ich habe an der Stimme meiner Serviertöchtern erkannt, ob sie im Stress sind oder nicht, ob sie noch nachkommen oder ob sie Hilfe benötigen. Selbst die freien Tage waren wir anfangs also zu Hause, damit wir einspringen könnten. Erst mit der Zeit fuhren wir fast immer, wenn wir frei hatten, runter vom Berg. Nur so kam ich wirklich zur Entspannung.

Das hört sich etwas krankhaft an, doch genau dazu hat mich mein innerer Antreiber angespornt. Genau das kam von ihm. Er war eben nie zufrieden mit meiner Leistung, nichts war gut genug. Und das ist so schade, denn mir fehlte immer die Möglichkeit, Erfolge zu feiern. Mein innerer Antreiber fand immer etwas, was ihm nicht gefallen hat, was ich hätte besser machen sollen, oder eben wissen sollte.


...Und wie ich ihn umwandeln konnte

Leider habe ich dies sehr lange nicht bemerkt, was da in mir abgeht. Erst im 2020 als ich den Jahreszyklus der erweiterten gewaltfreien Kommunikation gemacht habe, hat sich gezeigt was hier wirklich passiert. Vielleicht hast du schon einmal von Aufstellungen gehört? Dieser Ansatz kommt aus der Systemischen Therapie. Einige machen dies mit ihrer Familie, das nennt man Familienaufstellung. Hierbei können entweder die einzelnen Familienmitglieder teilnehmen oder aber man wählt dafür Stellvertreter. Stellvertreter in Form von Menschen, Symbolen oder Figuren, fast alles ist möglich.

Bei Aufstellungen kann man einerseits erkennen, wer auf welcher Position steht innerhalb des Familienkreises. Man kann also somit schon einmal gut erkennen, ob die systemischen Beziehungen stimmen und man kann das Beziehungsgeflecht visualisieren. Und andrerseits können negative Muster und Konflikte herausgearbeitet und gelöst werden. Wenn ihr jemals die Chance kriegt, so etwas auszuprobieren oder auch einmal Stellvertreter zu sein, dann empfehle ich das von ganzem Herzen. Denn es ist absolut faszinierend.

Gerne teile ich mit dir mein aussergewöhnliches Erlebnis, Und wenn du bereit bist für ein Eintauchen in die Spiritualität, dann bleib gerne dran:


Jedenfalls haben wir im Modul Schuld und Scham meinen inneren Antreiber aufgestellt. Eine Kollegin aus der Gruppe hat also seine Position eingenommen. Sie kann sich also energetisch mit ihm verbinden und dann stellvertretend für ihn antworten. Der innere Antreiber stellte sich gegenüber von mir auf, mächtig und überschauend. Er meinte dann, dass es ihm gut geht, dass er stabil ist und bei mir die Oberhand hat. Er hat also seine Position genossen. Als wir ihn dann gefragt haben, seit wann er hier ist, meinte er schon immer, schon seit Generationen. Er ist bei meiner kompletten Familie vorhanden. Es gibt ihn in meiner kompletten Ahnenreihe, er hat ein Versprechen abgegeben, vor vielen vielen Jahren. Er hat dem Urvater versprochen, dass er immer, immer weiter kämpfen wird, da sonst alles zusammenfällt. Das ist sein Auftrag, deshalb ist er da und kämpft jeden Tag. Er konnte den Urvater sogar ganz genau beschreiben wie er aussieht. Als er davon erzählt, fängt er unerschütterlich zu weinen an, so richtige Heulkrämpfe. Und ich natürlich auch. Denn endlich hörte ich die Bestätigung, dass da ein Anteil in mir drin ist, der immer weiter kämpft. Und als wir ihn gefragt haben, wie es ihm denn geht, ist er förmlich in sich zusammengefallen, denn er ist so unfassbar erschöpft. Und das war ja auch, was ich immer gefühlt hatte, diese grosse Erschöpfung. Gemeinsam konnten wir dann dieses Versprechen auflösen und neu abspeichern. Und wir fragten denn den inneren Antreiber, ob auch etwas Freude dabei sein darf, ob wir etwas locker lassen können und wir sogar kooperieren könnten? So haben wir das System komplett neu aufgestellt, so dass der innere Antreiber an meiner linken Seite steht, mein Mitstreiter ist, also miteinander statt gegeneinander. Das war eine unfassbare Erleichterung, für mich war es plötzlich möglich, mit ihm, meine vergangenen 31 Jahre anzuerkennen. All meine Leistungen und erreichten Meilensteine wertzuschätzen, das war so wunderschön.


Fazit

Also wie du siehst, kann fast jedes Problem aufgestellt werden. Und es ist eine unfassbar schöne Erfahrung. So wurde er bei mir auch vom inneren Kritiker zum inneren Antreiber.

Seither ist bei mir eine grosse Ruhe eingekehrt, ich kann inzwischen bewusst selber wählen, wie ich mich entscheiden will, ich kann selber wählen, ob ich jetzt meine Bestleistung bringen will oder ob ich eine Pause brauche. Und heute kann ich diese auch geniessen.

Also meine Lieben, wenn du das kennst, auch diesen inneren Antreiber hast und etwas daran verändern möchtest, dann kennst du jetzt vielleicht seine Charaktereigenschaften. Du weisst jetzt, was er will, wie er redet, wie er dich steuert. Und nun kannst du entscheiden, ob du den Bann durchbrechen möchtest. Du kannst auch erst einmal selber versuchen, ganz aufmerksam zuzuhören und herauszufinden, wann er zu dir spricht. Was genau sagt er zu dir? Und woher könnte das kommen? Wer könnte das schon ganz früh zu dir gesagt haben? Um dann ganz bewusst zu entscheiden, ob er recht hat und du ihm gerne weiterhin folgen möchtest, oder ob du dich für die Liebe und gegen den Antreiber entscheidest. Vielleicht reicht dir das schon und du kannst Glaubenssätze damit schon auflösen. Oder aber du bist schon so tief drin wie ich es war und du probierst es ebenfalls mit der gewaltfreien Kommunikation bei Soulspeeches (www.soulspeeches.com) oder kommst in ein Coaching oder in eine Psych-K Behandlung, in welcher wir Glaubenssätze neu programmieren können.

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