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  • Karin

#14 Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Aktualisiert: 12. Juni 2021



Oder doch anders herum? Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser? Ein Satz, den ich lange verdammt habe. Doch erst wenn wir die Kontrolle loslassen, können Wunder, Zufälle und Gegebenheiten entstehen.


Wie stehst du zur Kontrolle? Brauchst Du die Kontrolle in Deinem Leben?


Kontrollfreak

Das Loslassen der Kontrolle war bisher schon ein langer Weg für mich. Und bis heute, kann ich noch nicht komplett die Kontrolle loslassen. Nach wie vor stelle ich hier und da fest, dass ich die Kontrolle übernehmen möchte. Kontrolle gibt mir Sicherheit, denn was ich kontrolliere, das kann ich somit auch steuern.


Viele Jahre habe ich das nicht einmal bemerkt, dass ich so von dieser Kontrolle besessen bin. Ich selber, als Mensch war sogar kontrolliert. Vielleicht hast du meinen Podcast vom inneren Team gehört, da bin ich auch noch einmal auf die Kontrolle in mir eingegangen. Denn es gab wirklich Zeiten, bei denen ich am liebsten alles selber erledigt habe. Delegieren und Abgeben fiel mir äusserst schwer, da ich einfach Angst hatte, dass es dann nicht mehr unter meiner Kontrolle liegt. Und glaubt mir, das ist ein anstrengender Lebensstil.


Sex und Kontrolle

Aber weisst du, wo sich diese Kontrolle am Besten zeigte? Beim Sex. Ja genau. Doch der Orgasmus ist das Sinnbild von Loslassen, also von Kontrolle abgeben. Und ich bin überzeugt, dass es vielen da draussen noch bis heute so geht. Das Loslassen fällt nicht einfach. Vielleicht zeigt sich dies auch bei jedem in einem anderen Lebensbereich, bei mir war es jedenfalls dieser. Denn er war geprägt von Geschichten aus der Vergangenheit mit denen mein Verstand (zusammengefasst) geschlussfolgert hat, wenn ich die Kontrolle behalte kann mir nichts passieren. Wenn ich loslasse wird mir weh getan. Ganz einfach.


Wo zeigt sich die Kontrolle / Loslassen noch?

Ja genau, gerade der Corona – Virus ist ja eine grosse Herausforderung für uns Alle, ein Phänomen, das Niemand kontrollieren konnte. Alle waren gezwungen mitzumachen, die Regeln zu befolgen, eine andere Möglichkeit gab es nicht. Das fällt uns Menschen richtig, richtig schwer.


Was bringt uns denn die Kontrolle im Leben? Hilft es uns wirklich?


Heute glaube ich, es ist sinnvoll, eine Balance zwischen Kontrolle und Loslassen zu finden. Ich selber war viele Jahre ein Kontrollfreak, nicht nur mich selber sondern auch meine Arbeit wollte ich kontrollieren. Alles was eben möglich war zu kontrollieren. Damit habe ich aber so vieles verpasst, denn es war dann natürlich auch besonders schlimm, wenn die Pläne geändert haben. Da ist für mich eine Welt zusammen gebrochen, grosse Enttäuschung, Unverständnis, Traurigkeit. Es kam mir auch nicht in den Sinn meine Emotionen dann wieder zu zügeln, sondern verharrte in dieser Wut und versaute vor allem mir und manchmal auch den Anderen die Freude. Das spannende ist ja, dahinter zu schauen. Was passiert denn, wenn die Pläne sich ändern? Wenn etwas schief geht?

Genau, ich verliere Sicherheit. Ich kann so kurzfristig nicht mehr so gut kontrollieren und steuern, ich muss nehmen und akzeptieren was kommt. Und das war – in meinen Wut-Augen – Bestimmt nicht so toll wie das Geplante.


Was ist dahinter?

Hinter dieser Wut aber verbirgt sich eigentlich nur die Angst vor dem Kontrollverlust. Nun habe ich die Kontrolle verloren und weiss nicht mehr wie weiter auf meinem sicheren Pfad. Ich hatte ja alles berechnet und geplant, dass es ein sicherer Weg zum Ziel war. In dem Moment half mir auch wieder dasselbe Konzept. Erst einmal die Emotionen rauslassen und dann die Vogelperspektive einnehmen. Was passiert da eigentlich?


Unsere Flitterwochen...

Wow, eines meiner heftigsten Erlebnisse diesgleichen passierte im Dezember 2018. Wir waren in unseren Flitterwochen in Australien. Wochen vor unserer Abreise hatten wir die Kreditkarte bei der Post bestellt, damit wir auch sicher unser Mietfahrzeug erhalten würden. Leider haben sie unsere 2 Anträge (Post & E-Mail) aus unerklärlichen Gründen nicht erhalten. So verzögerte sich die komplette Geschichte. Bis wir kurz vor unserer Abreise mit der Post telefonierten dass sie diese nach Melbourne senden müssten. Wir gaben ihnen die Hoteladresse und reisten am 27. Dezember an. So oder so hatten wir 3 Nächte in Melbourne gebucht, zum Start und Akklimatisieren. Nur leider kam die Karte nicht, auch erhielten wir keinerlei Informationen zum aktuellen Status. Jeden Tag checkten wir also aus, liessen unser Gepäck stehen und waren bereit zur Abreise falls sie kommen würde. Und jeden Tag checkten wir wieder neu ein. Irgendwann haben wir dann endlich Jemanden erreicht und erfahren, dass die Kreditkarte nach Hause in die Schweiz gesendet wurde, so mussten sie über die Feiertage eine neue Karte herstellen und diese nach Melbourne senden. So Ärgerlich und Zeitfressend. Schlussendlich wurden die 3 zu 14 Nächten.

Nun Dani ging folgendermassen vor: Nervt sich kurz. Dann wägt er die Möglichkeiten ab, die er hat. Ändern kann er nichts, warten müssen wir sowieso. Also macht er das Beste aus der Sache.

Meine Version war da etwas anders: Ich begab mich die ersten Tage auf eine Fahrt durch die Gefühlswelt. Einmal war ich wütend, einmal traurig, dann enttäuscht bis zu verständnislos.

als ich begriffen hatte, dass ich ja eigentlich in Melbourne bin, in einer der schönsten Städte der Welt, sommerliche Temperaturen, alle Zeit der Welt und etwas Budget das wir verbraten konnten, durfte der Spass beginnen. Sich über eine Kreditkarte zu nerven nützte ja keinem was, ändern konnte ich auch nichts. Doch bei mir hat das 3, 4 Tage gedauert bis ich das verstanden hatte. Dani war da wie gesagt einiges schneller.

Als wir dann irgendwann erfuhren, dass die Karte am 10. Januar bei uns sei, konnten wir sogar etwas anfangen zu planen, was vorher ja sehr schwierig war. So begannen wir Tagesausflüge zu machen um die Route schon etwas vorwegzunehmen, wir besuchten also bereits die Great Ocean Road und die Weingüter die vor uns lagen. So konnten wir später mit dem Auto dies überspringen und später wieder auf der Route einsetzen. Eine gute Lektion, einmal mehr.


Was wenn Pläne ins Wasser fallen?

Warum waren denn da diese Emotionen wenn es nicht nach Plan läuft? Was ist hinter dieser Wut, Trauer und dem Unverständnis? Bei mir war das Verschiedenstes, eine Art Ohnmacht, also nichts an der Sache ändern zu können, Angst etwas zu verpassen, Angst auf der Route nicht genügend Zeit zu haben, Angst, dass das Geld nicht reicht, Angst, dass wir auf Anderes verzichten müssen weil wir hier so viel Zeit verlieren. Also ganz viele Ängste, die sich zusammenbrauen zu der genannten Wut. Die Herausforderung war also auch da, das Vertrauen ins Leben wieder aufzunehmen und an das Positive zu glauben. Hat schon alles seinen Grund. Geniessen wir das Hier und Jetzt.

Im Nachhinein sehe ich, dass das Leben mir da schon die Lektion „Loslassen und Ankommen im Hier und Jetzt“ bereit gelegt hatte, nur konnte ich sie da noch nicht so recht leben. Spannend oder?


Der Startschuss zu Kontrolle Loslassen

Mein Schlüsselerlebnis kam dann schliesslich in Gstaad im Dezember 2011. Ein Wochenende, an dem ich mit meinem kontrollzwang etwas an meine Grenzen kam .Wir wollten einen Tagesausflug machen in die Berge um den Indoor Seilpark zu testen. Unerwartet kam starker Schneefall vom Himmel herunter, was es wirklich anspruchsvoll machte wieder runter zu fahren. Also waren wir mehr oder weniger gezwungen die Nacht da oben zu verbringen. Das war natürlich nicht mein Plan. Doch Dani fädelte das ganz clever ein, er kannte mich ja schon sehr gut. So suchten wir uns ein Hotel, folgten unserer Intuition, und Dani lud mich ein auf eine Nacht mit Frühstück. Eine schöne Überraschung.

Besonders spannend war dass wir uns „zufälligerweise“ das Eiger Selfness Hotel ausgesucht haben.


Auf Ihrer Homepage schreiben sie:

„Selfness: Die Reise zum Ich. Selfness ist eine Lebenseinstellung. Es ist die innere Haltung, die eine eigenständige Bereitschaft zum Wachstum fordert. Selfness als Lebenseinstellung kann von jedem Menschen angewandt werden, sie bewirkt eine tiefere Kommunikation mit der Umwelt und den Mitmenschen und gibt die Möglichkeit, das Leben selbstbestimmend zu gestalten. In unserem Haus steht der Mensch im Mittelpunkt.“

Das war mein erster richtiger Startschuss zur persönlichen Weiterentwicklung. Im ganzen Hotel hingen Bilder der Mitarbeiter mit ihren persönlichen Antworten zu Fragen zum eigenen Ich. Im Zimmer lag sogar ein Buch das sich mit persönlicher Weiterentwicklung auseinandersetzt. Alles im Hotel drehte sich also um Fortschritt mit dem Eigenen Ich. Und das Schönste am Ganzen war, dass man es richtig gut spüren konnte. Das Team vor Ort schien so herzlich und aufgestellt, von der Zimmerdame bis zur Rezeptionistin. Das fanden wir so wahnsinnig inspirierend, dass wir diese Erlebnisse und Gedanken mit auf unseren Weg nahmen.

So wurde dieses Wochenende mein persönlicher Beweis, dass sich die Pläne, die sich ergeben wenn sich die Grundpläne ändern vielleicht sogar noch besser sein könnten. Das war mein Tor für eine neue Sichtweise, die sich immer und immer wieder bestätigt hat. Eine Planänderung birgt so viele Schönheiten und Wunder.


Fazit

Wie geht es dir mit Planänderungen? Mit Kontrollverlust? Kennst du diese Geschichten?

Ich kann es dir also nur empfehlen, dieser Sache einmal eine Chance zu geben, zu sehen was passiert eigentlich, wenn wir spontan einen anderen Plan verfolgen, weil der eigentliche Plan ins Wasser gefallen ist. Die Angst ist völlig unberechtigt, im Gegenteil.

Ich glaube, eine gesunde Balance von Loslassen und Kontrolle haben ist eine grosse Bereicherung im Leben. Dies benötigt eigentlich nur wieder das Vertrauen ins Leben und in sich selbst.



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