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  • Karin

#04 Gewohnheiten und Muster hinterfragen

Aktualisiert: 30. Jan. 2021


Eine Lektion, die uns immer wieder begegnet ist. Ja wo kommen sie denn her diese Muster? Was sind eigentlich Gewohnheiten?

Gewohnheiten sind eigentlich einfach Abläufe und Muster die wir immer so gemacht haben, die sich über die Jahre eingeprägt haben. Diese haben wir uns zum Beispiel von unseren Eltern oder Grosseltern, Freunden oder Verwandten abgeschaut und machen das heute einfach auch so. Wir sind ja damit aufgewachsen, kennen gar nichts anderes, dies scheint für uns "normal". Sei es dasselbe Waschmittel kaufen, nur die eine Automarke gut finden, dasselbe kochen, oder sogar gleich streiten. Das sind nur wenige Beispiele. .


Muster durchbrechen

Wir machen das alles also so lange gleich wie gewohnt, bis wir es entweder selber bemerken und hinterfragen, ob wir das so beibehalten wollen, oder aber uns Jemand im Aussen darauf aufmerksam macht. Meist wenn wir mit Jemandem zusammenziehen oder gemeinsam in den Urlaub fahren. Wenn wir also mit einem anderen Menschen mehr Zeit als gewohnt verbringen, oder einander räumlich näher kommen als sonst.

Genau in diesen Situationen fallen die Gewohnheiten ja erst auf, erst dann merken wir, dass unser Verhalten anders ist als das des Gegenübers. Denn für mich selber sind sie ja normal, diese Gewohnheiten, eben gewöhnlich.


So war es doch schon immer


Was bei Dani und mir ganz deutlich zu sehen war, war, dass ich stark den Gewohnheiten von meinem Elternhaus folgte und sogar daran festhielt. Viele dieser Gewohnheiten habe ich nicht hinterfragt, ich bin einfach damit aufgewachsen und habe dies in mein Leben mitgenommen. Ein Beispiel: Ich bin aufgewachsen in einer Familie, die täglich gemeinsam zu Mittag gegessen hat. Meine Mama hat also immer dafür gesorgt, dass das Essen auf dem Tisch bereit war, wenn Papa von der Arbeit nach Hause kam. Also hat sie die Kocherei immer so geplant, dass er sich direkt hinsetzen und essen konnte. Seine Mittagspause war schliesslich zeitlich beschränkt. Das fand ich sinnvoll, und ich kannte ja nichts anderes und dachte auch automatisch, dass dem Papa damit ja auch gedient ist.


Ergo integrierte ich dies in mein Leben und wendete dies zu Hause mit Dani auch an. Wenn er zum Beispiel am Abend länger arbeitete als ich, schrieb ich ihm eine SMS, dass er mir doch schreiben soll, wenn er den Zug nimmt. Denn dann wusste ich nämlich, ich habe noch gut 45 Minuten Zeit etwas vorzubereiten, bis er da ist. Und so war ich jedes Mal ganz stolz, pünktlich auf seine Heimkehr mit dem Essen fertig zu sein. Nur habe ich aber Dani nie gefragt, ob er das denn überhaupt auch gut findet. So kam es dann beim etwa dritten Mal so, dass er mir nicht schrieb als er den Zug nahm und überraschend zu Hause stand, ohne dass ich überhaupt gekocht hatte. Ich fühlte mich gleich total schlecht und so entstand auch eine angespannte Diskussion darüber. Ich hatte das Gefühl meine Pflichten nicht eingehalten zu haben und Dani war überhaupt nicht klar was da vor sich ging. So entstand ein total spannendes Gespräch darüber. Er hatte sich nämlich bereits gefragt, warum ich denn immer wissen wolle, wann er den Zug nimmt, hat sich kontrolliert gefühlt. Er wäre eigentlich lieber erst noch ein paar Momente auf dem Sofa gesessen um richtig anzukommen, statt sofort zu Abend zu essen. Ist das nicht äusserst spannend?

So habe ich ihm dann von meinen Eltern und dieser Gewohnheit erzählt. So konnte er natürlich nachvollziehen warum ich so gehandelt habe. Am Ende des Gespräches waren wir eigentlich beide erleichtert, dass diese Kocherei zukünftig etwas entspannter sein darf, so hatte ich keinen Zeitdruck, und er konnte einfach heimkommen wann er wollte.


Gemeinsam kochen, die grosse Herausforderung für Paare



Ich glaube, auch das gemeinsame Kochen ist eine der grösseren Herausforderungen für Paare. So viel spielt sich ab hier, bei Jedem einzelnen, jeder bringt seine Muster mit, das ist so faszinierend.

Unsere Geschichte:

Ich habe in meiner Kindheit/Jugend nicht nur positive Erfahrungen gemacht mit Kochen. Im Gegenteil ich mochte es ganz und gar nicht, bis ins Erwachsenenalter. Meine Mama kochte überhaupt nicht gerne. Für sie war es einfach etwas, was sein muss. Pünktlich, einfach und schnell. Punkt.

Mein Papa hingegen war ein guter Hobbykoch und kochte wirklich sehr gerne und zugegeben auch sehr gut. Wann immer wir Gäste zu Besuch hatten und auch jeden Sonntag zum Familienabendessen, kochte also Papa. Mama deckte übrigens an diesen Tagen den Tisch und machte den Abwasch. Klar aufgeteilte Aufgaben. Natürlich musste immer einer von uns Kindern dem Papa mithelfen, am meisten allerdings ich, da meine beiden älteren Geschwister meist Wichtigeres zu tun hatten. So ging ich also in die Küche um ihm zu helfen.


Aber Papa hatte immer sehr konkrete Vorstellungen wie das Ergebnis auszusehen hatte. Ich – etwas unbeholfen – habe dann tatsächlich so vieles falsch gemacht, so dass das Ergebnis nicht aussah wie er wollte. Verstärkt durch die fehlende Geduld bei uns beiden. So ist das gemeinsame Kochen oft und schnell in einen grossen Streit ausgeartet, bis ich dann Türen-schletzend und oft heulend davon rannte. "Ich genüge nicht Papas Vorstellungen", ein Glaubenssatz der da entstanden ist. So habe ich nie wirklich Freude am Kochen entwickelt, hatte immer das Gefühl alles falsch zu machen.

Mit diesen Erfahrungen kam ich also im 2011 in die Beziehung mit Dani, meinem Ehemann, der übrigens seit über 20 Jahren Koch ist. Das gemeinsame Kochen warf dann öfters Diskussionen auf. Denn ich habe immer nach seinen Erwartungen und Bilder gefragt, wie denn das Ergebnis sein solle und ihm war das eigentlich meist egal, sprich ich hätte freie Hand gehabt. Nur kam ich mit dieser Freiheit nicht so gut klar, da mir vor allem der Mut, das Selbstvertrauen fehlte. Und da ich ja vorher gespeichert hatte, dass ich nicht Papa’s Vorstellungen entspreche, wollte ich zumindest meinem Mann gefallen. Ich war jeweils sehr schnell gefrustet und reagierte überaus empfindlich, erst nach und nach habe ich dann diese Muster bei mir erkannt und Dani davon erzählt, so dass es ihm viel einfacher fiel, auf mich einzugehen beim Kochen. So entwickelten wir gemeinsam neue Routinen, in denen mir Dani geduldig erklärt wie dies und Jenes am Besten geht und ich mich öffne für seine Tipps und Vorschläge. Glücklicherweise isst Dani so ziemlich alles, auch wenn es mal verkocht oder eben nicht perfekt abgeschmeckt ist. So konnte ich über die Jahre mein Selbstvertrauen in der Küche wieder aufbauen und koche inzwischen mit viel Freude und Herzblut.


Was mir besonders aufgefallen ist, bei diesen Diskussionen, sind folgende 3 Punkte:

  1. Wir treffen Annahmen Besonders wenn es Erinnerungen aus der Kindheit sind, die sich damals immer so abgespielt haben, gehen wir einfach davon aus, dass das noch immer so ist, auch wenn das Gegenüber gewechselt hat. Wir nehmen an, wie bei meiner Geschichte als es darum ging, für den Partner pünktlich das Essen bereit zu halten. Ich habe einfach angenommen, dass für Dani dasselbe stimmig ist, wie für meinen Vater

  2. Ich gehe immer von mir oder meiner Sicht aus Für mich zum Beispiel ist der beste Platz im Auto der Beifahrersitz. Diesen Sitz Jemand anderem freizugeben, also Vortritt zu lassen, ist Anstand für mich. Ich habe also immer Dani diesen Sitz freigegeben, und sass selber hinten. Das war kein problem für mich, versteh mich nicht falsch, aber erst nach vielen Jahren haben wir darüber gesprochen. Dani meinte dann zu mir, dass er eigentlich viel lieber hinten sitzt. Grandios, dachte ich mir. Ich sitze lieber vorne. Problem gelöst 😊

  3. 3. Gewohnheiten können sich verändern Auch habe ich bei mir fest gestellt, dass Etwas was Dani im ersten Jahr unserer Beziehung einmal gesagt hat, ich einfach fix in mein Hirn eingraviert habe. Heute, im 10. Jahr unserer Beziehung, ist es tatsächlich möglich, dass sich seine Meinung geändert hat. Deshalb macht es Sinn, über die banalsten Dinge zu sprechen. Sei es Farben die man mag, Speisen die man nicht gerne hat, Orte die man mal besuchen möchte, Objekte die man im Haushalt vermisst. Die scheinbar kleinsten Themen halten spannende Gespräche bereit


Fazit: Bald darüber zu sprechen, hilft

Bei all unseren Muster und Gewohnheiten haben wir folgendes gelernt:

Wenn wir offen und ehrlich darüber reden, können wir es erkennen und schliesslich verändern. Und wer weiss, vielleicht könnt ihr ja eine neue Gewohnheit kreieren?


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